Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960372
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Deutsche 
Plastik. 
Dietrich den früheren Wohlthätern der Kirche, wie er sie 
in seinem Stiftungsbriefe aufgezählt hatte, wahrscheinlich 
aber erst bei vorgerücktem Bau, etwa um 1270, errichten 
liess. Es sind schlichte Arbeiten, in Sandstein an den 
Werkstücken der Pfeiler haftend, in künstlerischer Dmch- 
bildung den Freiberger Statuen nachstehend, aber durch- 
weg mit Gefühl und mit gesunden künstlerischen Motiven. 
Alle sind mit weiten Gewändern und Mänteln bekleidet, 
die Frauen mit einer Krone und einer unter dem Kinne 
festanliegenden Binde, die Männer, ein breites Schwert und 
einen spitzen Schild haltend, mit starkem, freiherunter- 
fallendem Haare , noch nicht in der damals in Frankreich 
aufkommenden schematischen Behandlung. Die Körper sind 
bis auf feinere Theile richtig, mehr kräftig breit als schlank, 
die weiten Gewänder fallen in natürlichen Falten. Die 
Köpfe sind nicht ohne Ausdruck, alle in Zügen und Hal- 
tung verschieden, die der Frauen Jzum Theil mit dem con- 
ventionellen Lächeln, das hier fromme Freudigkeit bedeutet, 
die Männer entweder ruhig zuschauend, oder mit etwas 
gesenktem Haupte und dem Ausdrucke inniger Theilnahme. 
Ueberhaupt zeigt sich der Meister in der Art, wie er seine 
an sich monotone Aufgabe zu beleben wusste, als ein den- 
kender Künstler, der die Gebehrden und Gewandmotive 
mit der Bildung und dem Ausdrucke des Gesichts in Ein- 
klang zu setzen suchte. Die jugendlichen Gestalten sind 
durchweg inniger und ausdrucksvoller, die älteren ruhiger 
dargestellt; Graf Dithmar, der in der Inschrift auf dem 
Schildrande als ermordet bezeichnet ist, erscheint, den 
Schild vorhaltend, die Hand am Schwertgrilfe, das Haupt 
emporhebend, als wolle er sich gegen einen Angriff ver- 
theidigen, Graf Wilhelm, der „unus fundatorum" genannt 
wird, und also Wahrscheinlich die reichste Beisteuer gege- 
ben oder der Grundsteinlegung beigewohnt hatte, zeigt mit
        

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