Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960350
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Deutsche 
Plastik. 
und die Synagoge darstellend. Das ganze Portal verbindet 
also die Begriffe des Himmelreiches und der Kirche, um 
die Jungfrau als Königin des ersten und Repräsentantin 
der letzten zu feiern. Damit steht dann weiteres Bildwerk 
an den oberen Theilen der Vorderwand in Verbindung; an 
den Strebepfeilern hier Abraham, mit dem schon zum Opfer 
gebundenen Isaac, dort Noah das Brandopfer darbringend, 
neben dem Fenster die Verkündigung, im Giebel endlich 
Christus am Kreuze zwischen Maria und Johannes. Die 
Haltung der meisten Figuren ist noch sehr steif, sie zei- 
gen sich fast alle von der Vorderseite oder im Profil, mit 
geradlinigen, parallelen Gewandfalten, auch auf dem Relief 
des Bogenfeldes mit Ausnahme des einen knienden Königs 
alle stehend. Nur die beiden weiblichen Statuen des Ein- 
gangs, die Kirche und Synagoge, sind freier behandelt, und 
bei der Krönung der Jungfrau im Bogenfelde des Neben- 
portals, sieht man, obgleich auch hier Wieder alle Figuren 
stehen, doch den Versuch, etwas mehr Bewegung in die 
Gewandlinien zu bringen. Bei alledem verläugnet sich aber 
der Schönheitssinn, der in den architektonischen Theilen 
Waltet, an den plastischen nicht ganz, vielmehr haben die 
Gesichtszüge und selbst die Linienführung schon oft eine 
Anmuth, Welche mit jenen plastischen Mängeln versöhnt da). 
Die Entstehungszeit dieser Bildwerke können wir um 
1240 setzen. In ähnlicher Weise schwankend und schüch- 
tern finden wir dann denselben plastischen Styl an der 
benachbarten Kirche zu Tholey m3], und an dem rundbogi- 
gen Portal der Südseite der Stiftskirche zu WVetzlar i-iittk). 
Anziehender sind einige Sculpturen des Bamberg er Domes, 
 Abbildungen beider Portale in Schmidfs Trieriscben Baudenk- 
malen, Lief. I, Taf. 6 und 7; eine geistvolle Erklärung von dem jetzi- 
gen Bischof Müller im Texte, S. 36 ff. 
 Kugler kl. Sehr. II, S. 259. 
am") Daselbst S. 169 und 177.
        

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