Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960321
Altar 
Zll 
Wechselburg. 
753 
Kirche von Wechselbrug. Der vor der Chemische stehende 
steinerne Hauptaltar hat nämlich ungewöhnlicher Weise i") 
eine hohe steinerne Rückwand, Welche den ganzen Rarnn 
der Chorvorlage ausfüllt und nur durch zwei Bögen den 
Zugang in die Concha offen lässt. Auf dem mittleren, wie- 
derum vermittelst eines Bogens hinaufgeführten Theile dieser 
Rückwand stehen nun die kolossalen in Holz geschnitz- 
ten Gestalten des Heilandes am Kreuze nebst Maria und 
Johannes; auf den Armen des Kreuzes oben Gott Vater, 
zur Seite fliegende Engel, am Fusse desselben eine liegende, 
bärtige Gestalt in weitem Mantel mit dem Kelche (Nico- 
demus oder Joseph von Arimathia Ü, unter den Füssen 
der Jungfrau eine weibliche, unter denen des Johannes 
eine männliche, gekrönte Figur, gleichsam die weibliche 
und männliche Sünde. Die beiden Seitenwände der Altar- 
mauer enthalten dann noch in Nischen unter Kleeblattbögen 
vier Steinreliefs, Daniel und David, einen Propheten und 
einen jugendlichen l{öiiig, ohne Zweifel Wieder Salomo. 
Diese drei benannten Gestalten stimmen in Tracht und Hal- 
tung völlig mit den Statuen der goldenen Pforte überein, 
und auch in den oberen Figuren ist die Stylverwandtschaft 
unverkennbar, nur deutet sie hier überall auf eine spätere 
Zeit. Die Formen des Christuskörpers, der mit zierlich 
gelegtem Schurze bekleidet und mit drei Nägeln befestigt 
ist, sind sehr ausgearbeitet aber fast weichlich, die an- 
muthigen, jugendlichen Züge und die Handbewegungen der 
Jungfrau und des Johannes, das lockige Haar des letzten, 
auch die Gewandmotive entsprechen den Statuen von Frei- 
berg, aber alles ist weniger präcis, und namentlich sind die 
3') Noch im dreizehnten Jahrhundert hatte der Hauptaltar in 
bischöflichen Kirchen niemals, in klösterlichen äusserst selten eine 
solche Rückwand, weil die Chornische die Sitze der Geistlichkeit und 
namentlich des Bischofs oder Abtes enthielt und diesen der Blick auf 
den Altar nicht beschränkt sein durfte. 
V. 48
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.