Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960312
752 
Deutsche 
Plastik. 
im 
Mauerverbande 
mit 
dem 
architektonischen 
Theile 
des 
Portals, aber sie entsprechen in ihrer ganzen Behandlung 
der Sculptur der Kapitale und der Köpfe, die das Gebälk 
.tragen, so dass das Ganze gleichzeitig entstanden sein 
muss; nur mag die Arbeit an den Portalwänden zuletzt, 
die des Bogenfeldes und der Archivolten, die einfacher und 
weniger graziös gehalten, zuerst vorgenommen sein. Doch 
finden sich selbst an den Statuen Züge, die völlig dem 
deutschen Style des dreizehnten Jahrhunderts entsprechen. 
Nur diesem müssen wir also das ganze Werk zuschrei- 
ben , wobei daim die Verwandtschaft mit späteren und 
italienischen Arbeiten sich leicht durch die Vermischung 
antiker Reminiscenzen mit christlicher Naturauffassung und 
Empfindung erklärt. 
Vergleichen wir die goldene Pforte mit den Sculpturen 
der Kanzel von Wechselburg, so ist eine innere Verwandt- 
schaft nicht zu verkennen; in beiden ist dieselbe Weich- 
heit der Linien, dasselbe Anschliessen an antike Tradition, 
dieselbe Neigung zu sanften, graziösen Motiven. Allein 
dennoch ist die Ausführung des Freiberger Werkes so 
sehr viel vollkommener, dass man beide nicht demselben 
Meister, sondern nur verschiedenen Generationen derselben 
Schule zuschreiben kann. 
Auch linden wir diese sofort in einem dritten Werke, 
welches Wiederum etwas jünger als die goldene Pforte zu 
sein scheint, nämlich an den Altarsculpturen derselben 
3') Diese Annahme ist auch jetzt die allgemein herrschende, von 
Waagen, E. Förster u. A., und auch schon früher von Schorn in sei- 
nem Aufsatze: Altdeutsche und normannische Kunst, in der deutschen 
Vierteljahrsschrift 18-11, Heft IV, S. 104 ff. ausgesprochen. Die von 
diesem zugleich aufgestellte Vermuthung, dass der Anblick und das 
Studium der Mosaiken von Monreale, durch die Hohenstaufische Herr- 
schaft über Sicilien vermittelt, auf die Meister von Wechselburg und 
Freiberg Einiluss gehabt habe, scheint unhaltbar, da die Aehnlichkeiten, 
auf welche er sie stützt, allzu allgemeine sind.
        

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