Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960305
Die 
goldne 
Pforte 
Zll 
Freiberg. 
751 
deutung fehlt, Johannes der Evangelist. Die Schönheit 
dieser Sculpturen ist bewundernswerth. Das Relief ist von 
vortrefflicher Anordnung, noch überraschender aber sind 
die Statuen. Die Köpfe, am meisten die, welche an einigen 
Stellen über den Statuen zwischen den Kapitälen der Säulen 
angebracht sind, haben ein fast antikes Proiil, die Körper 
sind nicht bloss richtig, sondern von edelster Bildung, die 
Bewegungen leicht und graziös, die Gewänder voll und 
frei. Am Auifallendsten ist die Gestalt des Daniel, der 
jugendlich, in einer Art phrygischer Tracht, mit der linken 
Hand eine Schriftrolle hält, mit der rechten den kurzen auf 
der Schulter befestigten Mantel leicht hebt, und mit dem 
schlanken, von kurzen Stiefeln bekleideten Beine in fast 
tanzender Bewegung fortschreitet. Aber auch bei den an- 
deren Gestalten sehen wir die Richtung auf das Anmuthige 
vorherrschend; Salomo und der Evangelist sind als Jfnig- 
linge, die beiden weiblichen Gestalten mit einem Ausdrucke 
zarter Innigkeit dargestellt, und selbst Noah in vollen 
priesterlichen Gewändern und mit langem fliessenden Ge- 
wande hat doch mehr weiche als strenge Formen. Schon 
bei der architektonischen Würdigung dieses Portals habe 
ich die von Einigen aufgestellte Vermuthung, dass es durch 
die Beihiilfe italienischer Künstler entstanden sei, angeführt, 
und in der That kann man nicht läugnen, dass der erste 
Eindruck des Ganzen, das Verwalten antiker Reminiscenzen 
neben einer Hinneigung zu grösserer Zierlichkeit und be- 
Wusster Grazie, wohl an Italien erinnert, aber freilich nicht 
an den derben Styl des gleichzeitigen Nicole Pisano, son- 
dern eher an Späteres. Daher war denn jene Vermuthung 
auch dahin ausgesprochen, dass die Arbeit theilweise aus 
einer späteren Restaination herstamme. Allein dies wird 
wiederum durch die Vergleichung der einzelnen Theile des 
Portals widerlegt. Zwar sind die Statuen freistehend, nicht
        

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