Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960196
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Französische 
Plastik. 
geprüften Regeln eines festen Styles. Auch bewegten sich 
ihre Aufgaben in dem Kreise hergebrachter Gedanken und 
Gestalten und forderten weder die Ausbildung heroischer 
Formen, noch die von Idealen, wie sie die griechische 
Kunst erzeugte. Die Art der Compositionen hätte solche 
Gestalten nicht einmal geduldet; der christliche Gedanke 
sowohl, als die architektonische Einrahmlnig gaben dem 
Ganzen immer, wie ich schon früher gezeigt habe, einen 
mehr malerischen Zusammenhang, in welchem die einzelnen 
Gestalten sich nicht in freier Kraft isoliren durften, son- 
dern stets in hinweisender Beziehung auf einander und 
auf den heiligsten Mittelpunkt der ganzen Gruppe stehen 
mussten. Die Künstler waren daher auf theils typische, 
theils doch wiederkehrende Motive und Charaktere geist- 
licher Würde, frommer Demuth, hingebender Innigkeit 
hingewiesen. Aber dennoch war der Abstand von der 
Erhabenheit des Erlösers und der Reinheit der Jungfrau 
bis zu den Verdammten und Teufeln, und die Schwierig- 
keit, diese Gegensätze in Harmonie zu bringen, so gross, 
dass man den Muth und die Umsicht, mit Welcher diese 
Künstler ihre Aufgabe zu lösen und selbst die stets wie- 
derkehrenden Motive mannigfaltig und individuell zu be- 
handeln Wussten, nur bewundern kann. Es ist wahr, dass 
sie dabei in manchen Beziehungen nicht so tief und gründ- 
lich zu WVerke gingen, wie die antiken und modernen 
Künstler. Sie hatten weder wie jene ein durch die Anschauun- 
gen eines freien Volkslebens geübtes Auge, noch machten 
sie wie diese anatomische und psychologische Studien. Die 
Körperverhältnisse ihrer Gestalten sind nur im Allgemeinen 
richtig, die Arme oft zu dünn oder zu klein, die Hüften 
zu hoch oder zu niedrig; im Ausdrucke des Leidenschaft- 
lichen fehlt ihnen das richtige Maass, in der Ausprägung 
der Charaktere die volle Bestimmtheit. Aber diese Mängel
        

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