Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953355
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Das 
nördliche 
Frankreich. 
den Fenstern, an die Normandie erinnert, schliesst sich die 
Choranlage dem grossartigeren südlichen Systeme, aber 
ebenfalls mit bedeutenden Verbesserungen, an. Sie hat 
nämlich nicht bloss, wie selbst der kolossale Bau von 
Cluny, fünf, sondern sieben radiante Kapellen, und nicht 
wie dort vereinzelt, sondern eng aneinandergerückt und nur 
durch Strebemauern getrennt, so dass sie einen wirklichen, 
geschlossenen Kranz bilden. Acht Rundsäulen umstellen 
und zwar nach der Mitte zu mit Wachsender Annäherung, 
den inneren Chorraum, um den sich, da zwischen ihnen 
und den Kapellenmauern eine zweite Säulenstellung ange- 
bracht ist, ein doppelter Umgang umherzieht  In der 
Krypta linden wir im Wesentlichen rein romanische For- 
men, rundbogige Fenster und Arcaden, schwere Kapitale 
mit roher Nachahmung der korintliischen Form und mit 
historischen Darstellungen. Im oberen Chore ist diese an- 
tike Reminiscenz noch deutlicher und vielleicht durch nä- 
here Berücksichtigung alter Vorbilder aufgefrischt, aber die 
Kapitale sind leichter und, ungeachtet wechselnder X7erzie- 
rung, meist mit knospenartigem Blattwerk ausgestattet. 
Besonders merkwürdig ist aber, dass hier, Wahrscheinlich 
zum ersten Male in Frankreich, der Spitzbogen ganz durch- 
geführt ist, nicht bloss an den tragenden Bögen, sondern 
auch an den Fenstern. Die Meinung, dass Suger diesen 
Bogen als eine Verschönerung oder Verbesserung; aus dem 
Orient oder aus Sicilien, welche Gegenden er nach seinen 
ziemlich ausführlichen Lehensnachrichlen nie betreten zu 
haben scheint, entlehnt habe, verdient kaum mehr eine 
Widerlevunv. VVir haben wesehen dass er in Frankreich 
n z: 1-, 3 
schon oft angewendet war; schon früher an den Tonnen- 
 Der äussere Umgang ist jedoch zu den Kapellen gezogen und 
dient also eigentlich nur als innere Verbindung derselben. Die An- 
ordnung ist ähnlich, aber doch nicht ganz gleich, wie auf dem weiter 
unten mitzutheilenden Grundrisse von St. Remy in Rheims.
        

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