Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960182
Fruchtbarkeit 
und 
Mannigfaltigkeit. 
739" 
Zweifel nicht von den Meistern der Bauhütte, sondern von 
gelehrten Geistlichen festgestellt; aber dennoch blieb der 
Ausführung noch ein weites Feld der Erfindung, und man 
muss die geistige Kraft und künstlerische Gewandtheit 
bewundern, mit Welchen diese schlichten Werkleute auf 
den Gedanken einzugehen, ihn in räumliche Verhältnisse 
zu übersetzen und jeder Gestalt die richtige Stelle und den 
ihr zukommenden Ausdruck zu geben wussten. Dazu 
kommt der gewaltige Umfang dieser Arbeiten. Jedes der 
grösseren Portale enthielt in kolossalen Statuen, Statuetten 
und Reliefs an zweihundert Figuren Ü; erwägt man nun, 
dass an den Kathedralen zu Paris und Rheims fünf, an 
der zu Amiens, weil das eine unausgeführt geblieben ist, 
vier, an den Kreuzfagaden der Kathedrale zu Chartres aber 
sechs solcher Portale und zwar diese noch mit weiten 
Vorhallen innerhalb dieses Jahrhunderts plastisch geschmückt 
sind, dass dazu ausserdem die vielen und kolossalcn Sta- 
tuen der Gallerien an der Faeade und der Strebepfeiler, die 
plastischen Thiergestalten der Regenrinnexi und Anderes hin- 
zukam, so kann man nur über die Fülle künstlerischer 
Kräfte und die Leichtigkeit der Conccption erstaunen, welche 
dieser Zeit zu Gebote stand. Freilich kam den Künstlern 
dabei Manches zu statten; sie waren nicht von dem Ehr- 
geiz beunruhigt, Ausserordexltliches und 'l'adelfreies zu 
leisten, sondern arbeiteten unbefangen und mit der Be- 
scheidenheit des Handwerks nach wohlbekannten und viel- 
h) Die Berechnung ist leicht. Schon bei einem Portale mit nur 
vier Archivolten enthalten diese 62 Statuetten, von denen manche auch 
3118 zwei Figuren gebildet sind; dazu kommen dann die Figuren der 
Reliefs und die Statuen, welches alles z. B. an dem Portal des süd- 
lichen Krenzschiffes der Kathedrale von Amiens (Jonrdain et Duval, 
16 portail St. Honore, 1844) 183 menschliche und 15 thierische Ge- 
stalten ergiebt. Bei sechstheiligen Portalen, wie an den Westfaqaden 
von Amiens und Rheims, ist die Zahl natürlich griisser und über 200. 
47"
        

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