Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960131
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Französische 
Plastik. 
fällt in einer Locke, die ungefähr einem S gleicht, auf 
beiden Seiten gleichmässig herunter. Die Frauen sind alle 
in langen Gewändern, mit dem Gürtel über den Hüften, 
das Haupt mit einem Schleier bedeckt, der bald gerade 
herunterfallt, bald über der Brust zusammengelegt ist; das 
Haar in dünneren Locken herabhäilgend. Körper und Ge- 
sichter sind voll und kräftig gebildet, das Gewand in starke 
geradlinige Falten gelegt. Man sieht, dass die Künstler 
ihre Aufgabe nicht sehr schwer genommen, sich nament- 
lich nicht bemüht haben, einen grossen Gedankenreichthum 
zu zeigen. Dass dennoch alle diese Gestalten so würdig, 
so frei und natürlich sind, beweist, wie gross schon jetzt 
die Festigkeit und Gleichmässigkeit des Styls war. Die 
ersten Gräber, bei denen die Künstler die Bestatteten ge- 
kannt haben konnten, sind die der beiden jung verstorbe- 
nen Prinzen Philipp, Bruder  1221), und Ludwig, Sohn 
Ludwigs IX.  1224). Sie sind offenbar mit grösserer 
Wärme behandelt, der Contrast der jugendlichen Köpfe 
und reichen Gewänder mit der Ruhe des Todes, die Innig- 
keit, namentlich des letzteren, der mit gefalteten Händen 
betend (largestellt ist, geben den Eindruck, den die Auf'- 
gabe forderte; das Trauergefolge an den WVänden der Sar- 
kophage zeigt den Schmerz in lebendigen und mannig- 
faltigen Aeusserungen. Aber die Köpfe der Prinzen selbst sind 
ziemlich unbestimmt; das Schönheitsgefühl war mehr ge- 
fördert als das Streben nach Individualität. Die ersten 
Gräber, welche den Eindruck von Porträtwahrheit geben, 
sind die Philipps III., des Kühnen  1285), und seiner 
Gemahlin Isabella von Aragonien  1271). Die 'l'racht 
des Königs ist noch fast dieselbe wie auf den Gräbern 
der früheren Dynastien, aber der Kopf spricht bei nicht 
gerade schönen Zügen, starken Backenknochen, grossem 
Munde und gespaltenem Kinne den Character des Königs,
        

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