Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960067
Neuntes 
Kapitel. 
Die 
Plastik. 
Im Anfange der Epoche eilte die Malerei der Sculptur 
voraus; durch die Miniatur von den neuen geistigen Re- 
gungen belebt, als Wandmalerei heilsamer architektonischer 
Zucht unterworfen, schien sie im Besitze aller Mittel zur 
Ausbildung eines neuen, den Bedinfnissen des Zeitalters 
entsprechenden Styls. Allein das natürliche Gesetz, welches 
der Sculptur den Vorrang giebt, war Wohl moditieirt, aber 
nicht aufgehoben; ein fester, bleibender und maassgebender 
Styl konnte nur durch die Darstellung in voller körperlicher 
Rundung erlangt werden. "Sobald diese ihn ausgebildet 
hatte, etwa um 1250, zögerte die Malerei nicht, sich ihm 
zu unterwerfen, wie wir denn dies bei der Betrachtung 
ihrer einzelnen Zweige wahrgenommen haben. 
Freilich hatte die Sculptur einen längeren Weg zu durch- 
schreiten, eine strengere Schule durchzumachen. Ehe sie 
es wagen durfte, sich der Natur zu nähern, musste sie sich 
völlig der ursprünglichen Itohheit entwinden, Maass und 
Verhältnisse an der Architektur erlernen, sich den geraden 
Linien und den scharf geschnittenen Profilen dieser herr- 
sehenden Kunst anbequemen. Dadurch erklärt sich die auf- 
fallende Erscheinung, dass, während die Malerei schon 
freieren Regungen Raum giebt, die Sculptur sich nach der
        

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