Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960043
in 
Deutschland. 
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Lübeck  hat man bedentendere und an mehreren Orten 
des südlichen Deutschlands geringere Ueberreste dieser 
Technik gefunden; 
Wahrscheinlich schmückte man mit solchen glasirten 
Ziegeln hauptsächlich die Chöre, Kapitelsäle und überhaupt 
solche Räume, welche dem Zulaufe des Volkes und mithin 
der Abnutzung durch schwere Tritte weniger ausgesetzt 
Waren, und begnügte sich im Schiffe der Kirchen entweder 
mit einfarbigen, gemusterten oder mit abwechselnden gla- 
sirten und rauben Steinen. Ueberrlies führte die im drei- 
Orten 
dieser 
zehnten Jahrhundert aufkommende Sitte, das Schilf mit 
Grabsteinen zu belegen, zur Zerstörung der älteren Fuss- 
böden, so dass wir von denselben hier überall keine Spuren 
gefunden haben. Indessen hat sich bis auf die neueste 
Zeit im Mittelschiffe mehrerer Kathedralen oder Hauptkir- 
chen eine eigenthümliche Fussbodenverzierung musivischer 
Art erhalten, welche man Labyrinth oder Bittgang ge- 
nannt hat, und die aus einer durch dunkleren Stein in der 
Fläche des Fussbodens bezeichneten spiralförmig oder sonst 
künstlich gewundenen und dem Mittelpunkte zulaufenden 
Linie besteht. Das einzige noch erhaltene Exemplar, im 
Dome zu Chartres, ist kreisförmig, die von St. Quentin, 
Arras, Amiens waren achteckig, das von Rheims in glei- 
cher Form, aber mit vier kleineren achteckigen Figuren 
daneben, das von St. Bertin in St. Omer viereckig und 
deten Klosters Kirkstall in England, und bekanntlich standen die Ci- 
stercienserklöster in der ersten Zeit des Ordens in enger Verbindung 
mit den Mutterklöstern. Ohne Zweifel hat daher das norwegische 
Kloster bei jenen Ziegeln nicht norwegische, sondern französisch-eng- 
lische Technik angewendet. Auch Doberan war aber ein Cistercienser- 
kloster, und so ist es sehr denkbar, dass es nicht bloss die Arbeit von 
Hovedöe nachgeahmt, sondern wirklich selbst die hölzernen Formen der 
Figuren von dort, wo sie nicht mehr gebraucht wurden, erhalten hat. 
1') Milde, Denkmäler bild. Kunst in Lübeck, Heft 2, 1848.
        

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