Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959968
Ihre 
Bedeutung. 
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(lert; auch er möchte alle Pracht und allen Glanz in der 
Kirche vereinigen. Offenbar hängt seine künstlerische Be- 
geisterung mit einem Warmen Gefühle für die heitere Schön- 
heit der Natur zusammen. Freilich ist sie nicht Gegenstand 
und Aufgabe seiner Kunst; diese beschäftigt sich nicht mit 
der gemeinen, irdischen Welt, sondern mit einer verklärten, 
deren Vorstellung sie in der Seele des Beschaners hervor- 
rufen will. Aber die Farben dieser verklärten Natur nimmt 
sie eben aus der Wirklichen. Theophilus will ausdrücklich, 
dass der Beschauer der Kirche die Wunder Gottes in der 
Schöpfung preise; er erinnert an die Blumen des Früh- 
lings, an das Grün in Wäldern und Thälern, er ver- 
Schmähet es nicht, den Glanz eines schillernden Gewandes 
zur Vergleichung heranzuziehen. Wenn das Mittelalter kein 
scharfes Auge für das Einzelne der Natur hatte, Weil es 
darin nur symbolische Beziehungen suchte, so War es doch 
höchst empfänglich für das Ganze der natürlichen Erschei- 
iluxig, für den reichen Farbenglanz, der mit tausendstim- 
migem Chore den Schöpfer preist und die Menschenseele 
erfreut, und wusste die leuchtendsten Farben, die kräftig- 
sten Töne aus der Natur in das künstlerische Werk zu 
übertragen. Diese Farbenlust War das vermittelnde Element 
Zwischen der kirchlichen Strenge und der überströmenden 
Jugendkraft des Zeitalters. Gerade durch diese Verbin- 
dung wurde die Kunst des Mittelalters so stark und so 
Wirksam; sie War erhaben und doch populär, der streng- 
gläubige ernste Mönch und der lebensfrohe, jugendlich 
kräftige Laie, die seholastische Kirchenlehre und Symbolik 
lllld die Naturgefühle, Welche den ritterlichen Sänger er- 
füllten und im Volksliede einen ahnungsvollen Ausdruck 
hatten, fanden in ihr gleiche Befriedigung; alle Extreme 
Waren in dem wunderbaren Accorde ihrer vielfarbigen Pracht 
verschmolzen 
und 
versöhnt.
        

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