Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959936
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Polychromie. 
Er färbte die feinen Glieder, in welche sich die Massen 
auflüsten, mit verschiedenen ihren F unetionen entsprechen- 
den Tönen, die tragenden mit helleren, die bloss füllenden 
und verbindenden mit dunkleren, die verticalen mit aufstei- 
genden, die horizontalen mit bandförmigen Mustern, das 
Blattwerk der Kapitäle mit Gold. Auch die Sculptur war 
von dieser Regel nicht ausgenommen, auch sie prangte in 
Gold und Farben, nicht bloss im Inneren der Kirchen, 
sondern auch an den Portalen. Neben dieser durchgeführ- 
ten Polyehromie erschien dann die Glasmalerei als die höchste 
Steigerung des alle Theile durchdringenden, aber an den 
undurchsichtigen Steinen nur in elementarer und architek- 
tonischer Bedeutung entwickelten farbigen Lebens. Aller- 
dings können wir nicht behaupten, dass in allen gothischen 
Gebäuden eine vollständige Färbung bestand; häufig mag 
sie sich auf den Chor beschränkt, häufig ganz gefehlt 
haben. Aber sie War doch als Postulat gedacht und jeden- 
falls waren die WVände nicht überweisst, sondern behielten 
die natürliche, durch die Zeit erhöhete und durch die 
Schatten der reichen Gliederung belebte dunkle Farbe des 
Steines, die schon an sich in einem bestimmten harmoni- 
schen Verhältnisse zu den farbigen Fenstern stand. 
Das Mittelalter ist in ästhetischen Dingen schweigsam; 
die geistlichen Schriftsteller besprechen die Malereien nur 
in Beziehung auf ihre Gegenstände, die Chronisten und 
Biographen sind nur bemüht, die Freigebigkeit des Stifters 
oder die reiche Ausstattung ihrer Kirche zu rühmen. Um 
so wichtiger ist es, dass wir Wenigstens eine Aeusserung 
eines Künstlers haben, der zu Kunstgenossen spricht und 
die Auffassung schildert, mit der man diese Vielfarbigkeit 
betrachtete. Es ist wieder der so oft erwähnte Theophilus. 
Nachdem er nämlich in den beiden ersten Büchern seines 
Werkes 
VOI] 
der 
Malerei 
auf Wänden, 'l'af'eln und Fenstern
        

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