Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959912
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Glasmalerei. 
zubereiten lernte, theils ausser dem Schwarzloth noch 
einige andere, zur iVerglasung geeignete Farben entdeckte, 
die aber doch nur selten angewendet wurden. Dazu kam, 
dass die bisherige Anordnung der Compositionen den brei- 
teren, durch mehrere Pfosten in schmale und hohe Felder 
getheilten Maasswerkfenstern nicht völlig entsprach. Man 
wagte daher in diesen Feldern einzelne, statuarische Ge- 
stalten von grösserer Dimension (in N otre-Dame von Paris 
waren sie 18 Fuss hoch) anzubringen, gab ihnen hellere Ge- 
wandfarben und statt des teppichartigen einen einfarbigen 
Grund, dessen Fläche man durch einen gothischen Baldachin 
verminderte. Indessen waren jene Verbesserungen der Technik 
nicht allgemein bekannt, diese Aenderungen der Anordnung 
von zweideutigem WVerthe, und wir finden daher noch 
immer Fenster, in denen man dem alten Principe treu blieb. 
Im Ganzen unterscheiden sich daher die Arbeiten der ver- 
schiedeneil Abschnitte dieser Epoche nur durch die Zeich- 
nung, durch die gewaltsameren Bewegungen oder die stei- 
fere Haltung der früheren und den mehr statuarischen und 
einfacheren Styl der späteren Zeit. 
Bei den technischen Schwierigkeiten, mit denen die Glas- 
malerei zu kämpfen hatte, musste sie nicht bloss auf natu- 
ralistische Wahrheit, sondern auch auf den tieferen Aus- 
druck und die Bedeutsamkeit, Welche die Wandmalerei und 
Plastik ihren Gestalten geben konnten, verzichten. Aber in 
der That War dieser scheinbare Mangel eher ein Vorzug, 
indem er sie ganz von selbst in den eigentlichen Gränzen 
ihrer Aufgabe hielt. Die VVandmalerei und die Plastik ha- 
ben die feiste Mauer hinter sich, sind daher von ihr, Wenig- 
stens dem Gedanken nach, ablösbar und können ohne Ver- 
letzung des architektonischen Gefühls mit selbstständiger 
Bedeutsamkeit auftreten. Bei der Glasmalerei fällt diese 
Sonderung 
fort; 
das 
Glas 
des 
Fensters 
ist 
ein 
Theil 
der
        

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