Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959822
in 
Frankreich. 
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dalismus der Aufklärungsperiorle und die Revolution ange- 
richtet haben, fällt noch jetzt selbst dem flüchtigen Reisen- 
den die grosse Zahl prachtvoller, grossentheils noch aus 
diesem Jahrhundert herrührendeil Glasmalereien in den 
französischen Kirchen auf. Offenbar hängt die Blüthe dieser 
Kunstgattung mit der fortschreitenden Entwickelung des 
gothischen Styls zusammen, der bei seinen Weiten Fenster- 
ölfnungen ihrer nothwendig bedurfte. Es würde unmöglich 
und überflüssig sein, alle noch erhaltenen Glasgemälde dieser 
Epoche oder auch nur alle Kirchen aufzuzählen, in denen 
sich solche finden. Die Kathedrale von Bourges hat allein 
183 Fenster dieser Art von unvergleichlicher Farbenpracht  
die von Chartres 146 und darunter noch viele aus diesem, 
einige, wie sich aus der Lebenszeit der darauf genannten 
Stifter ergiebt, noch aus den ersten Decennien desselben 
Jahrhunderts. Von gleicher Schönheit sind die im Chore 
der Kathedrale von Maus. ln der Kathedrale von Rheims 
sind die unteren Fenster zwar unter Ludwig XIV. zer- 
stört, die oberen aber noch in ihrer alten Pracht erhalten; 
in der von Amiens bestehen wenigstens noch die des Chors, 
darunter das eine mit dem Namen des Stifters und der 
Jahreszahl 1269. In den Kathedralen von Troyes, Tours, 
Rouen wir), Chalons-sur-Marne, Soissons und Clermont in 
der Auvergne sind meistens in den Chören noch pracht- 
volle Fenster aus dieser Zeit, in der Ste. Chapelle zu Paris 
noch bedeutende Ueberreste aus der Zeit Ludwig IX. er- 
halten. Die Kathedrale der Hauptstadt, einst durchgängig 
a") Vgl. das ausgezeichnete Prachtwerk Martin et Cahier, Mono- 
graphie (Vitraux) de 1a Cath. de Bourges. 
H) Auf einem Fenster ist der Name des Verfertigers genannt und 
Zwar als aus Chartres gebürtig: Clemens Vitrierius Carnotensis. La- 
Steyrie, Taf. 33. Bemerkenswerth ist, dass die Einfassung des Bildes 
hier noch genau dasselbe Arabeskenmuster hat, wie auf einem der Fen- 
Ster des Suger, die mehr als hundert Jahre früher entstanden waren.
        

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