Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953319
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Das 
nördliche 
Frankreich. 
Die Stephanskirche zu Beauvais giebt endlich sogar 
ein Beispiel der Aufnahme nicht bloss normannischer son- 
dern auch deutscher Formen. Sie hat den ausgebildeten 
Pfeiler der normannischen Bauten, ein 'l'riforiun1 mit über- 
Wölbten Doppelarcaden, erhöhte Scheidbögen, Kelehkapitäle 
ohne Reminiscenz an das korinthische, dabei aber im 
Aeusseren in der Behandlung des Rundbogenfriescs und 
der als kleine Säulen gestalteten Lisenen überraschende 
Aehnlichkeit mit manchen deutschen Bauten k). YVir sehen, 
wie begierig diese mittlere Gegend nach brauchbaren For- 
men War, wie sie dieselben von allen Seiten herbeizog. 
Diese Mischung heterogener Elemente und diese schwan- 
kenden Versuche erzeugten dann aber sehr bald in conse- 
quenteren Geistern das bewusste Bestreben nach Bildung 
eines in sich harmonischen, technisch befriedigenden Styls. 
Zuerst und in sehr merkwürdiger Wleise tritt uns dies in 
den Bauunternehmungen des berühmten Abts Suger an der 
quem pater meus fundavit qui dicitur Sancti ltlartini ad campos) dem 
Abte Hugo von Cluny und seinen Nachfolgern, so dass sie nun zu 
einem von Cluny aus besetzten Priorat wurde. Vgl. Mich. Felibien, 
Hist. de la ville de Paris (fol. 1725). Vol. I. p. 130 und Vol. III. 
p. 49 ff. In den Jahren 1097 und 1'137 sicherten andere Urkunden 
des Erzbischofs von Paris und des Königs dem Kloster seine reichen 
Bcsitzthümer und Rechte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass jene erste 
schon in sieben Jahren vollendete Kirche den klösterlichen BedürfnisSeIl 
nicht entsprach und dass daher die älteren Theile des Chors (das Schiff 
ist im Jahre 1'230 erneuert und auch der Chor hat um diese Zeit. einige 
leicht erkennbare Aenderungen erhalten) aus einem Netibzur stammen, 
Welcher unmittelbar von den aus Cluny gekommenen München geleitet 
wurde, wodurch sich auch die südlichen Formen erklären. Die Anlage 
des Kapellenkrarxzes ist indessen ziemlich complicirt und abweichend 
von der älteren Weise. 
m) Das Gebäude enthält Theile sehr verschiedener Zeiten, deren 
völlige Sichtung den Gegenstand einer anziehenden Monographie bilden 
könnte. Auch die sehr eigenthiimliche Symbolik ihres Bildwerks würde 
dabei in Betracht kommen. Vgl. einige Abbildungen bei Gailhabaud 
und in der Voyage dans Pancienne France.
        

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