Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959726
Französische 
Wandmalerei. 
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aus dem dreizehnten" die unnfangreicheil, aber sehr zerstörten 
VVandmalereien in der Krypta derKathedrale von Chartres, 
geringere Ueberreste in der Kirche zu Fretigxiy derselben 
Diöcese, in der Dreifaltigkeitskapelle von St. Emilion zu 
Bordeaux, in einer Kapelle der Kathedrale von Autun, ein 
Bild der Jungfrau über dem Portale einer alten Kapelle im 
Dome zu Rheims. Vielleicht gehören auch die Gemälde 
im Chore (ler kleinen VVallfahrtskirche Notre-Dame-rle- 
Presles in der Champagne, der Heiland als Weltrichter 
mit Heiligen und Engeln, noch in diese Epoche e). 
Die geringe Zahl (lieser Ueberreste lässt sich nicht bloss 
dadurch erklären, dass die Richtung, welche die Architektur 
seit dem Anfange der Epoche nahm, der VVandmalerei in 
den Kirchen die Flächen entzog. Denn in Kapitelsälen, 
Kreuzgängen und Schlössern blieb noch Baum genug, und 
doch haben wenigstens die französischen Archäologen uns 
keine Nachrichten gegeben, welche, wie in England, auf 
grössere [lnternehmungen dieser Art schliessen lassen. 
Man darf daher wohl annehmen, dass die Wandmalerei 
vernachlässigt war. Auch ist dies sehr wohl erklärlich. 
Die raschen Fortschritte der Architektur, die Begeisterung, 
mit der sie verfolgt wurden, nahmen die künstlerischen 
Gemüther so sehr in Anspruch, dass eine Kunst, welche 
ausserhalb dieser Strömung lag, keine grosse Anziehungs- 
kraft üben konnte. Dies musste um so mehr die Wand- 
geschmückt, ohne Zweifel zu verschiedenen Zeiten. Interessant ist der 
Gegenstand eines im nördlichen Kreuzarme gefundenenGemäldes; es 
enthält nämlich die Seene aus der Legende der h. lllargaretha, wo der 
Präfect Olybrius, das fünfzehnjährige Mädchen bei ihrer Schaafherde 
Sehend, von Liebe zu ihr entbrennt. Tournay gehörte übrigens damals 
in kirchlicher und politischer Beziehung zu Frankreich und war also 
hier einzuführen.  
1') Organ für christl. Kunst, 1855, S. 288. Der Berichterstatter 
findet die Malereien denen von Ramersdorf ähnlich, welche nach meiner 
Meinung erst dem vierzehnten Jahrhundert zuzurechnen sind.
        

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