Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959642
Gravirte 
Platten. 
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leitung zum Graviren; er beschreibt die Instrumente, durch 
welche man Figuren, Vögel, 'l'hiere wid Blumen in dieser 
VVeise darstellen und demnächst durch farbige Ausfüllung 
der Umrisse als Nigellum anschaulich machen könne. 
Meistens diente diese Technik nebst der mit ihr verbunde- 
nen Emaihnalerei und in Verbindung mit der Plastik zur 
Ausstattung von Kirchengeräthen, in welcher Beziehung 
ich weiter unten auf sie zurückkommen muss. Indessen 
wurde sie doch auch schon auf grösseren 'l'afeln, zu Altar- 
Vorsätzen oder ähnlichen Zwecken, oder gar zu Grabplatten 
verwendet. Die meisten solcher gravirten Grabplatten stam- 
men zwar erst aus dem vierzehnten Jahrhundert, indessen 
kamen sie im westlichen Frankreich schon früher vor, und 
auch in Deutschland beweist die des Bischofs Yvo im Dome 
zu Verden, dass man sich schon in der Mitte des drei- 
zehnten Jalnhunderts an eine so grosse Arbeit wagte. 
Häufiger war der Gebrauch der Teppiche, welche 
theils als Dorsalia die Rücklehnen der Chorstühle bedeck- 
ten, theils an Festtagen die Wände der Kirchen schmück- 
ten. Verzeichnisse aus dem zwölften Jahrhundert und 
der grosse Vorrath, welcher trotz aller Beraubungen und 
Zerstörungen sich noch jetzt in einzelnen Kirchen erhalten 
hat  können uns eine Vorstellung von ihrer vielfachen 
Anwendung geben. Die feinsten und elegantesten Arbeiten 
dieser Art waren im Orient, im byzantinischen Reiche oder 
in muhamedanischen Gegenden, verfertigt und durch den 
Handel hierher gebracht, und enthielten zuweilen historische 
Darstellungen, meistens aber mannigfache Muster mit Thier- 
e") Vgl. über die Teppiche im Dome zu Mainz in der Mitte des 
zwölften Jahrhunderts, Kugler Gesch. d. MaL, 2. Ausg. I, 171.  
Im Dome zu Halberstadt (Kngler kl. Sehr. I. 131) und in 36T LOTCIIZ- 
kirche zu Nürnberg finden sich jetzt noch bedeutende Sammlungen von 
Teppichen, von denen einzelne dort wohl aus dem eilften oder zwölften, 
hier aus dem dreizehnten Jahrhundert stammen.
        

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