Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959592
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'l'afel1nalerei. 
in den meisten Itlällen ersieht man, dass damit entweder 
die Platten des Altartisches oder die Tafeln bezeichnet sind, 
mit Welchen man an Stelle der sonst gebräuchlichen Vor- 
hänge (Antependia) den unteren Theil des Altartisches be- 
deckte 95), Welche, wenn sie gemalt waren, doch eine ein- 
fachere, mehr architektonische Behandlung erforderten. Aller- 
dings wird dann in anderen Fällen ausdrücklich von ge- 
malten Tafeln über dem Altare gesprochen; allein wahr- 
scheinlich dachte man dabei, wie wenigstens in einigen 
Urkunden klar hervorgeht, nicht an eigentliche Gemälde, 
sondern an colorirte Reliefs 99k). Zwar giebt 'l'heophilus, 
der sein Buch: Diversarnm artium schedula, Wahrscheinlich 
schon in der vorigen, spätestens aber im Anfange dieser 
Epoche schrieb tätige), eine ausführliche Anleitung zu Male- 
1') Ducange, Gloss. s. v. tabula altaris. 
 Dies gilt namentlich von dem Beschlusse des Generalkapitels 
der Cistercienser vom Jahre 1240: "Quoniam de curiositate tabularum, 
quae altaribus ordinis superponuntur, clarnosa insinuatio venit ad 
capitulum generale, praecipitur, nt omnes tabulae depictae diversis 
coloribus amoveantur aut colore albo colorentur." Martene et 
Durand, Thesaur anecdot. IV, 137, 3. Wäre hier an eigentliche Ge- 
mälde gedacht, so würde ganz einfach die Fortschaffung angeordnet 
sein. da ein „Ooloriren" mit weisser Farbe bei dem Mangel der Schatti- 
rung hier keinen Sinn gehabt, und ein blosses Ueberstreichen die Kirche 
entstellt haben würde. Man dachte also an colorirte Reliefs und ve1'- 
langte, da nur die bunte Farbe, nicht das Bildwerk Anstoss erregte, 
ihre Ueberweissung. Gnill. Durandus im Rationale divinorum officio- 
rum Lib. I, cap. 3, Nro. 17 spricht zwar ausdrücklich davon, dass man 
die Bilder der Kirchenvater zuweilen auf der Riicktafcl des Altars male 
(Generalitcr autem SS. Patrum imagines quandoque in parietibus eccle- 
siae quandoque in posteriori altaris tabula quandoque in vestibus 
sacris pinguntur). Allein da es ihm nur auf die Gegenstände ankam, 
ist schwerlich anzunehmen, dass er die Technik wirklicher Malerei und 
bemalter Plastik sorgfältig sondern wollen. 
 Die Frage über die Zeit, in welcher er schrieb (vgl. oben 
Band IV, Abth. I, S. 337), ist theils nach dem Inhalte des Buchs, 
nämlich nach dem künstlerischen Verfahren und den Kunstwerken, die 
darin beschrieben sind, theils aber nach dem Alter der Handschriften
        

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