Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959564
Süddeutschland. 
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das Ganze aber nicht ohne WVürde und anscheinend noch 
in das dreizehnte Jahrhundert fallend. Ausserdem kommen" 
Wohl einzelne Figuren, wie die Apostelgestalten am Peters- 
chore im Bamberger Dome, oder Fragmente von grös- 
seren verbliebenen Malereien vor, die aber meistens schon 
dem vierzehnten Jahrhundert anzugehören scheinen. 
Nur an einer Stelle, ganz im südlichen Osten Deutsch- 
lands, ist neuerlich ein bedeutendes Werk der Wandmalerei 
entdeckt, im Dome zu Gurk in Kärnthen. Die Gemälde 
befinden sich theils in der, zu dem inneren Portale führen- 
den, mit einem rundbogigen Tonnengewölbe bedeckten Vor- 
halle zwischen den Westthürmen, theils in dem darüber 
gelegenen Nonnenchorc, der aus der ursprünglichen Be- 
Stimmung der Kirche zu einem Jungfrauenstifte beibehalten 
ist ß). In der unteren Vorhalle enthält zunächst das in 
Marmor prachtvoll ausgeführte rundbogige Portal die Halb- 
iigur Cluisti, während an den Wänden und an dem unte- 
ren Theil des Gewölbes auf jeder Seite in drei durch leichtes 
Leistenwerk getrennten Reihen je zwölf Geschichten, auf 
der einen Seite aus dem alten, auf der anderen aus dem 
neuen gemalt sind, und in dem mit Sternen auf blauem 
Grunde verzierten oberen Theile des Gewölbes in der Mitte 
im rautenförmigen Rahmen das Lamm mit der Siegesfahne 
dargestellt und dlnch reiches Blumenwerk mit den geschicht- 
lichen Bildern verbunden ist, offenbar um anzudeuten, dass 
s) Vgl. die Beschreibung der Kirche und der Malereien, welche 
der Entdecker derselben, F. v. Quast, in Otte"s Grundzügen der kirch- 
lichen Kunst-Archäologie 1855, S. G9 gegeben hat. Schon 1071 war 
das ehemalige Nonnenklcster in einen Bischofsitz mit einem Chorherren- 
stifte verwandelt; wie es zugegangen, dass dennoch der Nonnenchor 
noch im dreizehnten Jahrhundert mit so prachtvollen Malereien ge- 
schmückt ist, bedarf einer näheren Aufklärung. Vielleicht war unge- 
achtet jener Umwandlung dennoch ein Nonnenkloster neben dem Chor- 
herrenstifte beibehalten, vielleicht diente die Lege nur für die Aufnahme 
fürstlicher Personen und erhielt in dieser Eigenschaft jenen Schmuck.
        

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