Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959427
Nicolaikap elle 
in 
Soest. 
663 
Wellenlinie. Der Umriss des Körpers, dem sich die Ge- 
Wandung eng anschliesst, bildet eine weiche Biegung, die 
Gewänder, gut fallend und dem Körper entsprechend, sind 
in viele Falten gebrochen, und haben nach unten zu etwas 
Flatterndes. Einigemal ist diese Häufung der Falten, be- 
sonders wo die geringe Kenntniss des Körperbaues den 
Maler auf Abwege führte, unschön und überladen, im 
Ganzen geben aber diese weichen, ich möchte sagen äthe- 
rischen Formen den Gestalten einen grossen Reiz. Der 
Künstler liebt das Jugendliche, unter den Aposteln sind 
mehrere bartlos, aber auch sonst ist er bestrebt gewesen, 
ihnen sowohl in den Köpfen als in den Gewandmotiven 
Mannigfaltigkeit und Individualität zu geben. Besonders 
sind die Engelköpfchen über den Aposteln mit dem schön 
geschwungenen Fall ihres Lockenhaares überaus zart und 
reizend. Offenbar ist die Arbeit um einige Decennien jünger 
als die des Kapitelsaales, aber etwas älter als die der 
Chornische von Brauweiler. Schon bei den Miniaturen 
konnten wir Wahrnehmen, und bei den Sculpturen, nament- 
lich der Grabmonumente, werden wir diese Wahrnehmung 
bestätigt finden, dass in Deutschland zwischen der byzan- 
tinisirenden Behandlung im Anfange der Epoche und der 
geradlinigen, statuarischen Haltung, Welche unter dem 
Einllusse der gothischen Architektur aufkam, eine Zeitlang 
ein Geschmack an bewegteren Formen, an mehr rundlichen 
Linien und flatternden Gewändern herrschte. Dieser Ueber- 
gangszeit gehören auch diese Malereien an, nur dass sie 
eine der schönsten Leistungen derselben sind. Nach einer 
urkundlichen Notiz haben Dechant und Kapitel des Patro- 
klusstiftes im Jahre 1231 einem Maler Everwin ein Haus 
Vergeben; es ist daher nicht unmöglich, dass dieser Maler, 
der hiernach mit dem Stifte in Verbindung stand, auch 
der 
Meister 
dieser 
Kapelle 
gewesen.
        

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