Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953278
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Frankreich. 
von einer mehr geordneten und durchgreifenden Regierung 
geschützt, gaben einen solideren Reichthlnn. 
Es konnte nicht fehlen, dass alle diese günstigen Um- 
stände auf die Kunst und namentlich auf die Architektur 
zurückwirkten. Allein auch an sich wurde sie, wie alle 
anderen 'l'hätigkeiten, durch jene mittlere Stellung des 
Landes befördert. Die nördlichen und südlichen Provinzen 
hatten auch in baulicher Beziehung verschiedene Richtungen 
eingeschlagen, verschiedene Systeme ausgebildet, jedes mit 
eigenthülnlichen Vorzügen. Diese mittleren Gegenden Waren 
sclnrvankend geblieben; sie waren daher in der Lage von 
beiden anzunehmen, und mussten, da ihre entlegensten 
Theile mit dem einen oder dem anderen jener Systeme in 
Berührung standen, in ihrer Mitte beide unwillkürlich ver- 
schmelzen. Zudem entsprachen die architektonischen Eigen- 
thümlichkeiten beider Regionen den geistigen Verschieden- 
heiten derselben, die Centralgegend, welche diese in sich 
ausgeglichen hatte, konnte mithin auch nur in der Ver- 
schmelzung beider einen Ausdruck ihres Wesens finden. 
Sie brachte aber auch ihre eigenen Gaben mit; jenen ver- 
mittelnden Sinn, der sich in der Politik bewährt hatte und 
für die Architektur nicht minder Wichtig war, die gleich- 
mässige Empfänglichkeit für die grossartige Einheit des 
Ganzen und die freie Ausarbeitung des Einzelnen. Die 
vorherrschende Stimmung war, obgleich mehr verständig 
als poetisch, dennoch eine enthusiastische und unterneh- 
mende, und jener Zusatz des Verständigen grade für die 
Baukunst und grade in diesem phantastischen Zeitalter nur 
vortheilhaft. Ueberdies gaben Wohlhabenheit, königliche 
Macht und das auf die Anerkennung aller Nationen ge- 
gründete Selbstgefühl Antrieb und Muth zu den kühnsten 
Unternehmungen, für welche denn auch der grosse Reich- 
thum an Baumaterialien der verschiedensten Art, der in
        

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