Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953265
Paris 
eine 
Weltstadt. 
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Wörtliche Bedeutung; man sprach von den Meistern von 
Paris fast Wie in Griechenland von den sieben VVeisen h]. 
Es konnte nicht ausbleiben, dass die von hier heimkehren- 
den Schüler die Vorliebe für französische Sprache und 
Sitte steigerten. Die Franzosen waren daher wirklich die 
Tonangeber in jeder Beziehung, im Bitterthume wie in 
der VVissenschaft, in der Ausbildung des Lehnrechts und 
in einer klugen volksthümlichen Politik, endlich selbst in 
der Poesie. Man machte nirgends ein Geheimniss daraus. 
Unsere deutschen Dichter, ihren eigenen höheren Werth 
nicht kennend, berufen sich nicht bloss auf französische 
Quellen, sondern gefallen sich in geschmacklos angebrach- 
ten französischen Phrasen. Italienische Gelehrten schrieben 
sogar ganze VVerke in französischer Sprache, Weil sie die 
erfreulichste sei und (iurch die ganze WVelt gehe. Kein 
vVlnider, dass den Franzosen selbst dieser Vorzug ihrer 
Nation nicht entging, dass ihr Selbstgefühl und ihr Muth 
dadurch wuchsen. Auch hob sich das Land nicht blos in 
geistigen Dingen; die Beute der Kreuzzüge , der Ertrag 
der Länder imd Güter, Welche französische Bitter im ge- 
lobten Lande und später auf dem Boden des eroberten 
byzantinischen Reiches erwarben, flossen nach Frankreich 
zurück, die Fremden aller Art, welche hier Bildung lern- 
ten, belebten den Verkehr, und die städtischen Gewerbe, 
"Ü Wackernagel in Haupts Zeitschrift für deutsche Alterthümer IV. 
S. 496 theiit eine Schrift mit, in welcher "die zwölf Meister von 
Paris" über die höchsten Anforderungen christlicher Tugend Sätze auf- 
stellen. Interessante Nachrichten über die frühe Blüthe von Paris ini 
13. Jahrh. giebt Guerard im Resumd zu der Steuerrolle von 1292 in der 
Coilection des document-s inedits sur Phist. de France, p. 468. Im 
J. 1292 hatte es schon über 200,000 Einwr, und noch früher bei dem 
Einzuge Ludwigs IX. und seiner Mutter war die Strasse von Paris bis 
Montlehery, 7 bis 8 Lieues, nach Joinville's Erzählung durch die heraus- 
strömenden Bewohner von Paris gedrängt voll.
        

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