Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959284
Der 
Psalter 
Ludwigs 
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die Locken stets mit zierlichem Schwunge. Die Zeichnung 
ist sicher und gewandt, die Darstellung stets auf Wenige 
Figuren beschränkt, deren Haltung ein Bestreben nach An- 
stand und ritterlicher Eleganz verräth. In den Kämpfen 
und an einzelnen Nebenfiguren, namentlich an Mönchen 
und Nonnen, finden wir Spuren eigener Beobachtung des 
Lebens, im Ganzen hat aber die Darstellung eher etwas 
Conventionelles. Der Ausdruck ist verständlich, aber matt, 
Jacob ringt mit dem Engel sehr sanft und Samson bricht 
die Säule mit Grazie; die „vaillant Dame qui a nom Debora", 
wie sie in der auf der Rückseite des Blattes befindlichen 
Inschrift heisst, sitzt sehr zierlich auf demselben Pferde 
mit einem wohlgerüsteten Ritter, Ueberall ist die mög- 
lichste Decenz beobachtet; nicht bloss Cain und Abel, 
sondern auch der trunkeue Noah sind vollständig bekleidet, 
Potiphar ist in vollem Kostüme und stehend, als sie dem 
keuschen Joseph den Mantel entreisst. Selbst das ge- 
plagte Aegypten, oberhalb nackt, um an den Umrissen seine 
Beulen zu zeigen, ist am unteren Theile des Körpers durch 
einen Mantel züchtig verhüllt. Die Initialen der "Psalmen 
enthalten Hergänge aus dem Leben Davids auf gemusterten 
Hintergründen, welche bei geeigneten Momenten, z. B. bei 
dem 27. Psalm, wo das: Dominus est illuminatio mea et 
salus mea durch einen auf den König herabfallenden gol- 
denen Regen versinnlicht ist, oder da wo er anbetet, mit 
einer Hindeutung auf König Ludwig selbst, seine gewöhn- 
lichen Wappenzeichen, nämlich die Lilien abwechselnd mit 
dem Thurme, dem Wappen seiner Mutter Blanka von Ka- 
stilien, enthalten. 
Wir sehen also hier im Wesentlichen dieselbe Rich- 
tung, die wir auch in Deutschland in der zweiten Hälfte 
des Jahrhunderts gefunden haben, aber mit besserem Er- 
folge ausgeübt. Die Miniaturmalerei hat den Anspruch
        

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