Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959275
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Französische 
Miuiaturmalerei. 
ist aber ein bilderreicher Psalter (Suppl. lat. 636), welcher 
nach einer darin befindlichen, späteren, aber sehr glaub- 
haften Notiz für Ludwig den Heiligen gefertigt war ä). 
Das Manuscript, ein Octavband, enthält zunächst auf '76 
Blättern die biblische Geschichte von Abel und Kain bis 
zur Krönung Sauls, gleichsam als Einleitung zu den Psal- 
men, deren Text darauf folgt und nur mit zum Theil hi- 
storiirten Initialen verziert ist. Alle jene Blätter haben den- 
selben Hintergrund, eine zierliche Architektur reinsten go- 
thisehen Styls, in den Details auffallend an die Sainte Cha- 
pelle von Paris erinnernd, zwei Spitzbögen, deren Mittel- 
pfeiler dazu dient, die zwei historischen Momente, die auf 
den meisten Blättern zusammengestellt sind, zu scheiden. 
Die Leisten dieser Architektur und die Gründe hinter den 
Figuren sind golden, die Farben harmonisch und von kräf- 
tigem dunklen Ton, aber in geringer Zahl und oft wieder- 
holt. S0 ist jene Architektur stets azurblau und bräunlichroth 
und zwar dergestalt von Blatt zu Blatt wechselnd, dass 
jede beider Farben einmal den Fenstern, und dann den 
Füllungen gegeben ist, und ebenso kehren dieselben Farben 
mit gleicher Abwechselung an den Gewändern wieder. Die 
Gesichter sind weisslich mit aufgesetzter Waugenröthe, 
1') Die wesentlichen Worte dieser Notiz lauten: Cest psaultricr 
fu saint Loys et le donna 1a reyne Jehanne  au roy Charles filz du 
roy Jehan Pan de nres. 1369 et Ie roy Charles  le donna a madame 
Marie de France sa iille religieuse a Poyssi. 1400. Die Schrift scheint 
aus dieser letzten Zeit zu sein, und es ist durchaus glaubhaft, dass sich 
im Königlichen Hause eine richtige Tradition über die Schicksale des 
kostbaren Buches erhalten hatte. Auch giebt der Styl der Miniaturen, 
wenn er auch einen Uebergang von dem des dreizehnten zu dem des 
vierzehnten Jahrhunderts bildet, keine dringende Veranlassung, ihre 
Anfertigung mit Waagema. a. 0. S. 301 erst gegen 1300 zu setzen, 
da man annehmen darf, dass für den König ein ausgezeichneter Arbei- 
ter ausgewählt wurde, dessen Weise später Nachahmung fand. Mehrere 
Gründe, welche die Annahme des Ursprungs unter Ludwig IX. unter- 
stützen, werde ich im Texte anführen.
        

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