Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959212
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Deutsche 
Miniaturen. 
gültigen, stylgerechten Behandlung geopfert. Man muss 
diese Aenderung zunächst der Richtung zuschreiben, welche 
die Architektur und die von ihr geleitete Plastik dem Ge- 
schmacke gaben; doch mögen auch andere Umstände darauf 
eingewirkt haben. Die Klöster, in denen die Miniatur- 
malerei bisher ihren Sitz gehabt hatte, waren nicht mehr 
die Stätten der regsten Kunstthätigkeit; das städtische Ge- 
werbe hatte sie überflügelt, sie empfingen aus zweiter Hand. 
Ueberdies waren die Benediktiner erschlafft, die Cistercien- 
ser der Kunst weniger geneigt, sogar von eigener Aus- 
übung derselben durch ein ausdrückliches Verbot abgehal- 
ten, die Bettelorden durch ihre ganze Stellung nicht dazu 
geeignet. Endlich hatte auch die Wissenschaft statt der 
der Kunst günstigen Richtung auf klassische Literatur die 
scholastische angenommen und beschäftigte die begabten 
Geister auf einem anderen Felde. Daher erklärt sich auch, 
dass die Zahl deutscher Miniaturwerke aus dieser Zeit 
geringer ist und dass nur Wenige sich durch reichere Pracht 
auszeichnen. Zu den grösseren und bestimmt datirten Hand- 
schriften dieser Art gehört eine Bibel in vier Bänden in 
der Bibliothek zu Würzburg (fol. max. Nro. 9], Welche 
nach der darin enthaltenen Inschrift im Jahre 1'246 von 
den Mönchen des dortigen Dominikancrklosters geschrieben 
und auf Kosten des Abtes mit derben, aber geistlosen 
Miniaturen auf Goldgrund geschmückt wurde, dami eine 
andere Bibel in zwei Foliobänden auf der Gymnasialbiblio- 
thek zu Coblenz, die im Jahre 1281 vollendet wurde, und 
deren Miniaturen Kugler einfach, strenge, meist geradlinig, 
statuarisch in gothischer Weise, aber ziemlich roh fand  
Etwas besser sind die Zeichnungen in der Sammlung von 
Minnelieilern aus Kloster Weingarten in der königlichen 
Privatbibliothek zu Stuttgart, die jedenfalls älter ist als der 
Kleine 
344. 
111 
Schriften
        

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