Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959204
1250 
1300. 
641 
breiten Strichen angegebenen Umrisse sind mit stark decken- 
den, aber glanzlosen und oft grell neben einander gestellten 
Lokalfarben ausgefüllt, in welche dann wieder die einzelnen 
Theile und die Gewandfalterl mit leichteren schwarzen 
Linien, ohne weitere Schattirung hineingezcichnet sind. 
Die Fleischtheile sind weisslich gefärbt, mit rothen Flecken 
der Wangen, der Farbeneindruck ist meist unruhig und 
bunt. Die Zeichnung ist noch immer mangelhaft, aber 
doch sicherer, gleichmässiger und freier von aulfallenden 
Unrichtigkeiten, die Haltung der Figuren meist gerade, oft 
Schon mit leichter Biegung der Hüften, die Füsse, fast 
immer zu klein und stets schwarz bekleidet, sind auswärts 
gestellt, das Oval des Gesichts ist voll, der Mund klein, 
das Auge zu gross; das Haar, mit kräftigen Federstrichen 
gezeichnet, fällt auf beiden Seiten des Kopfes mit gleicher, 
voller Locke herab. Die letzten Ueberreste des byzantini- 
sirenden Styls sind verschwunden, aber dafür die Anklänge 
an die VVürde der altchristlichen Typen sehr viel seltener 
und schwächer geworden. Die Gewänder sind nicht mehr 
flatternd, die Falten weniger gehäuft, mehr geradlinig; die 
Bewegungen ruhiger, aber auch ilicht mehr so sprechend 
lind dramatisch wie in jenen früheren F ederzeichnungen; 
die Gesichter ohne oder mit grellem conventionellem Aus- 
drllck. Die Bäume behalten ihre bisherige, pilzartige Ge- 
Stalt, die Gebäude noch bis gegen das Ende des Jahr- 
hunderts meist romanische Formen. Die Hintergründe sind 
nicht mehr einfach blau oder roth gefärbt, sondern ent- 
Weder mit starkem Blattgold belegt oder mit tapetenartigen 
Mustern verziert, meist schachbrettartig. Im Ganzen ist 
d" Gewinn ein sehr zweideutiger; die (lllEtiHHi-iSFlIBII und 
unbeholfenexi Aeusserungen lebendiger Empfindung und typi- 
Scher Würde, die Schönheit kräftiger Farben sind einer 
mehr gleichmässigen, aber auch oft handwerksmässig gleich- 
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