Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959143
1200 
1250. 
635 
Auszuge aus Aegypten, also symbolische Beziehungen auf 
den Opfertod Christi, angebracht, deren Verschiedenheit 
Wieder an jene ersten Gegensätze erinnert. Andere Vor- 
lüge hat ein noch reicher ausgestattetes, aus Mainz stam- 
mendes Evangeliarium in der Bibliothek zu Aschaffenburg  
Der Maler steht hier so sehr auf dem Boden der alten 
Kunst, dass er das Wasser des Jordan bei der Taufe, 
des Sees, auf dem Christus wandelt, nur durch einförmige 
Schnörkel angedeutet hat. Aber die Bewegungen der Fi- 
guren sind ungeachtet einzelner Mängel der Zeichnung frei 
und leicht, die Köpfe ausdrucksvoll, und die sehr vollstän- 
dige Reihe von Bildern aus der evangelischen Geschichte 
enthält eine Fülle neuer und wohl beachtenswerther Motive. 
Nahe verwandt ist ein in Bamberg befindliches und Wahr- 
scheinlich auch dort entstandenes Psalterium 49k), in welchem 
sich bei gleicher technischer Vollendung der neue Geist 
schon deutlicher ausspricht. David, die Lyra spielend, sitzt, 
wie wir es auch sonst bei der Darstellung Musicirender 
im dreizehnten Jahrhundert finden, mit zierlich gekreuzten 
Füsseil, Goliath giebt den Ausdruck plumpen Uebermuthes 
sehr treffend, Christus empfängt die__ Taufe in einer fast 
ritterlichen Haltung, und entsteigt dem Grabe so triumphi- 
rend, wie es dem Besieger des Todes geziemte. Nicht 
minder bedeutend lmd den beiden eben genannten VVerken 
älmlich ist das in der königlichen Privatbibliothek zu Stutt- 
gart befindliche, für den Landgrafen Hermann von Thü- 
ringen (1196_12l6) geschriebene Psalterium  welches 
"US auch wegen seiner sichern Zeitbestimmung wichtig 
ist. In der Zahl der Bilder und in der Mannigfaltigkeit 
1') Waagen, Kunstw. in Deutschland 1, 376. 
 Waagen a. a. O. I, 103. 
 Waagen a. a. O. II, 199, und besonders Kugler kl.' Sehr. I, 
69, mit Zeichnungen. Auch Dibdin, a bibliographical tour in Franco 
"K1 Germany, 1821, giebt eine Abbildung.
        

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