Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959117
632 
Deutsche 
Miniaturen. 
{liegenden Gewändern, auf gallopirendem Bosse sitzend, 
mit geschwungenem Speere. In den Kämpfen ist das Ge- 
fühl für ritterliche Haltung unverkennbar, auf der oben 
erwähnten Darstellung der Tugendleiter das Ilerabfallen 
charakteristisch verschieden und lebendig dargestellt. Die 
reiche Phantasie und die Auffassungsgabe der Verfasserin 
machen sich überall geltend, und das Ganze giebt, un- 
geachtet der mangelhaften 'l'echnik, ein sehr anschauliches 
Bild von dem geistigen Zustande der Zeit. Namentlich 
sehen wir darin recht deutlich, wie die neuen Gedanken, 
welche Scholastik und Poesie erzeugten, auch neue Mittel 
der Versinnlichung forderten und (ladurch zu Vorstellungen 
führten, für welche die ältere Kunst keine Vorbilder gab 
und die nur aus dem Leben genommen werden konnten. 
Aehnlich in der Kühnheit allegorischer Erfindung sind 
die Miniaturen eines aus dem Kloster N iedermünster bei 
Regensburg stammenden Evangcliariums in der königlichen 
Bibliothek zu München k), vom Ende des zwölften Jahr- 
hunderts. Sehr merkwürdig ist darin namentlich eine Dar- 
stellung der Kreuzigung als des Sieges über den Tod. 
Christus am Kreuze, aber mit der Königskrone und dem 
Purpurgewande bekleidet, neigt sein Haupt zur Rechten zu 
einer bekrönten weiblichen Gestalt in reichem Gewande, 
die als Vita, das ewige Leben, bezeichnet ist, während 
auf der anderen Seite des Kreuzes Mors, der Tod, schlecht 
bekleidet, mit zerbrochener Lanze lind Sichel, am Halse 
verwiunlet, umsinkt. Dabei ist aber die künstlerische Aus- 
führung sehr viel vollendeter; die Zeichnung, obgleich noch 
durchweg byzantinisirrnd, verräth Schönheitssinn und feines 
Gefühl, die Farbe ist sauber und harmonisch behandelt. 
Vom Ende des zwölften Jahrhunderts an mehren sich 
1') Kugler Museum 183i, 
Gesch. d. d. Kunst I, 104. 
164 
Svhr. 
und 
Förster
        

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