Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953241
Bedeutung 
der 
nordfranzös. 
Provinzen. 
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wann durch die Kreuzzüge eine weitere Verbreitung; fran- 
zösische und normannische Ritter bildeten den Kern des 
Kreuzheeres, ihre Sprache, den Provenzalen und Italienern 
verständlich, aber doch mehr mit germanischen Elementen 
versetzt und daher auch den Deutschen zugänglicher, wurde 
das vorherrschende Mittel der Verständigung, erlangte bald 
in dem neugestifteten Königreich Jerusalem eine ofticielle 
Geltung, erhob sich so zum gemeinsamen Organ der Völker 
des Mittelmeers, und gewann durch diese Verbreitung und 
durch die damit verbundene Anwendung auf mannigfaltige 
Verhältnisse eine schnelle Ausbildung. Nirgends folgte so 
rasch wie hier die Prosa der Poesie; schon am Anfange 
des dreizehnten Jahrhunderts konnten französische Ritter 
die Geschichte ihrer "Zeit und ihre eigenen Schicksale in 
der Muttersprache lesbar niederscln-eiben. Sie war also 
die erste unter den Nationalsprachen und fand so bei dem 
regen Verkehr der Völker und bei dem Einflusse der fran- 
zösischen Ritterschaft auf die der anderen Länder überall 
Eingang, so dass sie in weltlichen Beziehungen fast eine 
ähnliche Allgemeingültigkeit erlangte, wie die lateinische 
in der Kirche. Auch für die ritterliche Poesie wurden die 
Franzosen, obgleich an sich mehr verständig und prosaisch 
als dichterisch begabt, die Vermittler; sie verarbeiteten die 
Stoffe und Gedanken der Provenzalen und führten sie den 
Deutschen zu. Endlich nalnnen sie auch in wissenschaft- 
licher Beziehung die erste Stelle ein. Die erste Anregung 
der Scholastik ging vom Norden aus. Aus den irischen 
und angelsächsischen Klöstern war strengere Wissenschaft- 
lichkeit schon unter den Karolingern durch Alcuin, Johannes 
Scotus und Andere zu den Nordfranzoseil gelangt. Auch 
die Normannen wussten die Vortheile der Wissenschaft 
zu schätzen, beriefen berühmte Gelehrte aus dem Auslande 
in ihre Abteien und Bischofssitze und begünstigten die von
        

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