Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959043
Neue 
Gestaltung 
des 
symbolischen. 
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Tradition ehrwürdigen thierischen Symbole, die Taube, die 
Zeichen der Evangelisten, der Pelikan, der Drachen unter 
den Füssen der Jungfrau und ähnliche werden beibehalten; 
ausserdem wird die thierische Gestalt wohl zuweilen in 
einer, dem Symbolischen verwandten Weise bald als 
leichter, phantastischer Schmuck, bald in humoristischer 
oder satyrischer Bedeutung gebraucht, meistens aber dient 
sie vermöge einer natürlichen und rein künstlerischen Sym- 
bolik zur Belebung gewisser Stellen des architektonischen 
Gerüstes und gewissermaassen zur Erläuterung ihrer Func- 
tion. Dahin gehört es, wenn die Regenrinnen, welche, um 
das Gebäude gegen Beschädigung zu sichern, weit hinaus- 
Fagen müssen, die Gestalt von ungeheuerlichen speienden 
Thieren annehmen, dahin ferner, wenn an der Kathedrale 
zu Laon aus den obersten Arcaden der Thürme kolossale 
vierfissige Thiere die langen Hälse vorstrecken, gleichsam 
neugierig in die Tiefe hinabblickend, dahin auf anderem 
Gebiete die Verwendung von Drachen, Schlangen und an- 
deren biegsamen 'l'hierleibern zu den Initialen der Hand- 
schriften. Dagegen bleibt die Personiticalion abstracter Be- 
griffe beliebt; die hergebrachten Figuren dieser Art werden 
meistens beibehalten und durch neue vermehrt, aber auch 
bald in handelnde Bewegung gesetzt, und es entsteht, an 
Stelle der bloss traditionellen Symbolik, durch eine Ver- 
bindung scholastischer und poetischer Elemente die bewusste 
Allegorie. Vor Allem aber ist jene feine Symbolik des 
Raumes, von der ich schon früher gesprochen habe  für 
diese Epoche charakteristisch, indem sie ganz auf der in- 
nigen Verbindung des Architektonischen und Bildlichexi be- 
ruhet und besonders an Werken der decorativen Kunst ein 
sehr eigenthülnliches Mittel gewährt, durch abstracte Raum- 
verhältnisse feinere geistige Beziehungen auszudrücken. 
r) Band rv, Abth. 1, s. 401. 
V. 40
        

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