Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-959006
Verhältniss 
Zllf 
Natur. 
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den unbekannten Verfasser des ursprünglichen Werkes 
beziehen, den sie schlechtweg als Physiologus, als Natur- 
lehrer, bezeichnen Da kann es nun nicht überraschen, 
wenn sie diesem Gewährsmann bei fabelhaften oder orien- 
talischen Thieren unbedingt folgen; allein auch bei denen 
unserer Gegend und selbst bei gewöhnlichen Hausthieren 
beziehen sie sich in gleicher Weise auf ihn und sprechen 
ihm die unglaublichsten Dinge nach. Sie kennen also nur 
die Autorität und haben noch keine Ahnung von der Pflicht 
eigener Prüfung und Beobachtung. Zwar gab es einzelne 
schärfer blickende Männer; Albert der Grosse bezweifelt 
manche dieser Fabeln des Physiologus als unglaublich, 
stützt seinen Widerspruch bei anderen auf die Erfahrung, 
etwa auf die Berichte der Jäger; Roger Baco erklärt sogar 
in Worten, deren Klang in ganz andere Zeiten versetzt, 
die Erfahrung (experimentum) für die beste Weise des 
Erkennens. Allein diese Männer standen noch allein. Von 
einem Schüler Alberts, dem Thomas Cantipratanus, be- 
sitzen wir ein Buch: de rerum natura, welches ohne die 
in den Bestiarien verwaltende symbolische Beziehung eine 
ziemlich nüchterne Beschreibung von Thieren und Pflanzen 
enthält. Dennoch sind in einer, auf der Universitäts-Bi- 
bliothek zu Prag bewahrten, in der zweiten Hälfte des 
dreizehnten Jahrhunderts gefertigten Abschrift die zahlrei- 
Chen Miniaturen ohne die mindeste Rücksicht auf Natur- 
4') Vergl. besonders Gahier und Martin, Melanges dükrcheologie, 
Paris 1847 ff., Vol. II, p. 85, 106  232, V01. III, p. 293 5., WO 
Auszüge aus mehreren Bearbeitungen zusammengestellt sind, nament- 
lich aus der prosaischen Peters aus der Picardie und der gereimten 
Wilhelms aus der Normandie, beide vom Anfange des dreizehnten 
Jahrhundergl Die letzte ist; später (Hippeau, le bestiaire divin de 
Guillaume, clerc de Normandie, Paris 1852) ganz edirt. Vergl. ferner 
DT- Heider, Physiologus nach einer Handschrift aus Göttweih im Ar- 
ChiVfür Kunde österreich. Geschivhtsquellen 1850, Bd. 2, Heft 3 u. 4.
        

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