Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958970
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Die 
darstellenden 
Künste. 
Herrschaft strenger Gesetzlichkeit beschlossen, die darstel- 
lende Kunst nur, wenn ihm eine grössere Freiheit gestattet 
ist. Sie beginnt daher erst dann, wenn jene schon den 
Keim des Verfalles in sich aufgenommen hat. Beide ge- 
hören zwei auf einander folgenden Epochen des Volks- 
lebens an; die eine der früheren, in welcher die Gemüther 
vorzugsweise von den höchsten Dingen beschäftigt werden, 
die andere der späteren, wo individuelle Verhältnisse grös- 
seres Interesse in Anspruch nehmen. 
In unserer Epoche erscheint dieser Gegensatz wie im 
Leben so auch in der Kunst gemildert. Das christliche 
Gesetz hat nicht die Sprödigkeit des natürlichen, die christ- 
liche Freiheit löst das Gesetz nicht auf. Die ganze mäch- 
tige Erhebung des Zeitalters ging von dem Freiheitsgefühl 
der Völker aus , aber dies Gefühl war zugleich religiöse 
Begeisterung, war von der Kirche selbst genährt und gab 
ihr neue Belebung] Beide schritten einmüthig fort. 
Ebenso auf künstlerischem Gebiete; die christliche Kunst 
hat nicht eine einmalige Blüthe, sondern ist der Erneuerung 
fähig; sie stellt der Architektur nicht die unerlassliche For- 
derung reinster, architektonischer Gesetzlichkeit, sondern 
gestattet ihr auch plastische und malerische Elemente in 
reichem Maasse in sich aufzunehmen. Und von diesen 
ging die ganze künstlerische Bewegung dieses Zeitraumes 
aus. WVas die ruhige Würde des romanischen Styles 
störte und ihm eine dccorative Tendenz aufnöthigte, war 
eben die Regung des plastisch-malerischen Sinnes, aber 
das Resultat dieser Gährung war nicht der Verfall, son- 
dern eine höhere Blüthe der Architektur, ein neuer Styl, 
der jenes hinzutretende Element in sich aufgenommen und 
bewältigt hatte. Der gothische Styl ist von plastischen 
und malerischen Motiven durchdrungen. Seine ganze Er- 
scheinung, besonders die Wunderbar belebte Perspective
        

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