Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958892
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Gothischer 
Styl 
in 
Deutschland. 
thischen Formen gründete und bis zum Dache vollen- 
dete Ü. 
Ein zweiter wichtiger Bau ist die Stiftskirche zum 
heiligen Kreuze, welche durch den frommen Herzog 
Heinrich IV. im Jahre 1288 gegründet und bei seinem 
bald darauf im Jahre 1290 erfolgten Tode durch ein an- 
sehnliches Legat befördert, so rasch fortschritt, (lass sie 
schon im Jahre 1295 eine Weihe erhalten konnte im]. 
Ihre Anlage ist sehr eigenthümlieh. Sie enthält nämlich 
gewissermaassen zwei Kirchen, indem die 20 Fuss hohe 
Krypta tagt-E) sich nicht wie gewöhnlich nur unter einem 
Theile des Hauptgebäudes, sondern unter der ganzen Ober- 
kirche nach allen Dimensionen hin erstreckt, so dass diese 
nur durch eine hohe Freitreppe zugänglich ist. Auch der 
beiden gemeinsame Grundplan Weicht von den gewöhn- 
lichen ab. An das dreischiflige Langhaus schliessen sich 
nämlich der Chor und die Kreuzarme, beide einsehiflig 
und von der Breite des Mittelschilfes, an , und zwar so, 
dass diese letzten nur wenig ausladen, während der Chor 
überaus lang, sogar noch länger als das Schiff ist (S1 zu 
761f2 Fuss), dass aber ferner alle drei östlichen Arme, der 
4') Leider fehlt es noch an genügenden Publikationen über die 
Breslauer Kirchen, da die von Büsehing u. a. ausgehende bändereiche 
städtische Literatur in artistischer Beziehung ganz unbrauchbar ist. 
 Dr. Hermann Luchs, über einige mittelalterliche Kunstdenk- 
mäler Breslau's (Schulprogramm von 1855 und besonders abgedruckt), 
giebt S. 24 ff. sehr gründliche Nachrichten über die obengenannte 
Kirche, welche den Wunsch erregen, dass der Verfasser seine For- 
schungen auch auf die noch nicht berührten Monumente Breslau's 
ausdehne. 
 Es ist in der That nur eine solche, da die Stiftungsurkunde 
nur von einer Kirche spricht. Die oft wiederholte Sage, dass Heinrich 
zuerst den Bau einer Bartholomäuskirche vorgehabt, und nur durch 
eine bei der Fundamentirung gefundene kreuzförmig gestaltete Wurzel 
bestimmt worden sei, darüber eine obere, nach dem heiligen Kreuze 
benannte Kirche zu bauen, ist ohne historischen Grund.
        

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