Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958777
598 
Gothischer 
Styl 
in 
Deutschland. 
Zum Theil erklärt sich diese mangelhafte Behandlung des 
Styles daraus, dass ihm ausser dem Material auch das 
architektonische Lebensprincip fehlte, die Wölbung. Denn 
nur die Seitenschiße haben wirkliche Kreuzgewölbe, wäh- 
rend das Mittelschiff, das Kreuz und selbst der Chor mit 
einer Holzdecke versehen sind, Welche in einigen Fällen 
die Gestalt einer VVölbung nachahmt. Auch lassen die 
nackten, ungegliederten, meistens nur durch eine Reihe von 
Mauerblenden unter den Fenstern belebten Ober-Wände kei- 
nen Zweifel darüber, dass eine Wölbung nie beabsichtigt 
worden. Der innere Grund für die Ausbildung der stre- 
benden und tragenden Formen fehlt also; nur der Schein, 
nicht das Wesen ist gegeben. Diese Oberwände werden 
dann endlich nicht von gegliederten Pfeilern, sondern  
wie in Belgien  von schlanken Rundsäulen mit acht- 
eckiger Basis und mit einem runden, durch Blattwerk ver- 
zierten Kapitäl getragen, was bei manchen Durchsichten 
nicht ungünstig Wirkt, und den späteren holländischen Ar- 
chitekturmalern möglich machte, den Innenansichten ihrer 
einheimischen Kirchen einigen Reiz abzugewinnen, aber 
doch nicht den Mangel constructiver Kraft ersetzen kann. 
Es versteht sich, dass die schon erwähnte Kathedrale 
von Utrecht von dieser Schilderung nicht betroffen wird. 
Auch muss ich zugeben, dass meine Anschauungen sich 
auf die Kirchen der grösseren holländischen Städte be- 
schränken, die meistens erst aus dem vierzehnten und fünf- 
zehnten Jahrhundert zu stammen scheinen t), dass ferner 
die Nüchternheit ihres Anblickes durch die Strenge des 
holländischen Protestantismus gesteigert ist, der nicht bloss 
jeden malerischen Schmuck sorgfältig zerstört, sondern 
"Ü Niederländische Briefe S. 168 und 17-1, 
Wesentlichen übereinstimmenden Bemerkungen F. v. 
Museum 1834, Nro. 37 und 38. 
vergl. mit den im 
Qnasfs in Kuglex-"s
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.