Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958763
Holland. 
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Ungeachtet der sehr entschiedenen Einwirkung des Ma- 
terials und der wenigstens im Allgemeinen gleichartigen 
Geistesrichtung der Bewohner sind die Leistungen der ein- 
zelnen Landschaften des weiten Gebietes der norddeutschen 
Backsteinarchitektur doch sehr abweichend. Wir müssen 
Sie daher einzeln betrachten und beginnen unseren Ueber- 
blick auf der westlichen Gränze. Für das WVesen der 
Holländer ist es in vielen Beziehungen charakteristisch, 
dass sie den niederdeutschen Volksgeist und zwar in höch- 
ster Steigerung seiner Zähigkeit und Nüchternheit mit einer 
entschiedenen Hinneigung zu der Weise der westlichen, 
romanischen Völker vereinigen. Die geographische und 
dynastische Verbindung, in welcher sie seit uralten Zeiten 
mit den belgischen Provinzen standen, Lmd die durch die 
Eigenthümlichkeit ihres Landes gegebene Richtung nach 
Aussen, nach den anderen Küsten der Nordsee, mag diese 
Erscheinung erklären. Von dieser Vereinigung zeugen 
auch ihre mittelalterlichen Kirchen. Sie haben die Einfach- 
heit und Schmucklosigkeit, welche allen niederdeutschen 
Bauten gemein ist, und zwar im höchsten Maasse, und 
sind dennoch in der Anordnung Nachbildungen der fran- 
zösischen Kathedralen. Sie sind meistens in geräumigen 
Dimensionen angelegt, in Kreuzgestalt, mit niedrigen Sei- 
tenschitfen, im Chor mit Umgang und Kapellenkraxiz, aber 
von schwerfälligen, breiten Verhältnissen, ohne organische 
Durchbildung und feineres Detail. Die Leichtigkeit des 
Wassertransportes bewirkte, dass man statt der mühsamen 
Formsteine die Gewände von Thüren und Fenstern, die 
Gesimse und Ecken der Strebepfeiler von Sandstein bildete, 
aber auch dies geschah ohne feinere Steinmetzarbeit. Der 
Schmuck der Fialen und Strebebögen fehlt, das Maass- 
Werk, freilich häuüg bei späteren Restaurationen ganz her- 
ausgeschlagen, ist in der Regel flach und bedeutungslos.
        

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