Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958725
Die 
Gothik 
im 
Ziegelbau. 
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manche seiner Schönheiten aufopfern, manche Zierden mit 
anderen, dem Steinbau fremden vertauschen, wurde im 
Ganzen einfacher, strenger, erlangte aber auch zuweilen 
eine ungewöhnliche einfache und grossartige Würde. Die 
Strebepfeiler sind minder stark, weniger abgestuft, schlies- 
sen sich in einfacher Abschrägung oder mit einer Relief- 
verzierlmg an der Stirnseite dem Dachgesimse an, und 
werden später auch wohl ganz fortgelassen oder doch in 
das Irmere hineingezogen. Der Schmuck der Fialen und 
der freistehenden Spitzgiebel musste aufgegeben werden, 
dagegen sind die Friese reicher gehalten, mit mehreren 
Verzierungsreihen, noch spät mit Bogenfriesen, namentlich 
mit sich durchkreuzenden, auch wohl mit Laubwerk in 
edel gebildeter Form geschmückt. Anstatt der Balustraden 
hat die Mauer am Fusse des Daches oft eine Zinnenbe- 
kröllllllg, deren kriegerischen Ursprung man vergass, weil 
sie in Ziegeln leicht herzustellen und durch vertiefte Felder 
und Stabwerk zu schmücken war. Eine andere solchen 
Schmuckes fähige Stelle gaben die Giebel, die daher hier 
reicher, oft sehr zierlich ausgestattet, auch wohl vermehrt 
und über den Kapellen und Abtheilungen der Seitenschiffe 
angebracht sind. Das Maasswerk der Fenster ist anfangs 
zuweilen durch Formsteine sehr geschickt im Geiste der 
reinen Gothik ausgeführt, später aber meist sehr verein- 
facht, ja dürftig, indem es mit V erzichtung auf die freiere 
Entwickelung mannigfacher Bogenlinien und auf das Na- 
senwerk nur im spitzbogigen Abschluss der Pfosten, oft 
dlu-ch concentrische Bögen besteht, die man allenfalls, wie 
in England, nur freilich in sparsamer, nüchterner Weise, 
Sich durchschneiden liess. Die Leibungen der Fenster und 
Portale sind nicht selten reich gegliedert, aber freilich, da 
man diese Gliederung durch Formsteine bewirkte und die 
Zahl verschiedener Formen nicht zu sehr vergrössern 
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