Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958713
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Gothischer 
Styl 
in 
Deutsichlau d. 
lonjstenland, eben erst aufblühend und gewohnt, dem Vor- 
gange anderer Gegenden zu folgen. Allein so sehr dem 
Baeksteinbau jene eben genannten Bestandtheile des gothi- 
schen Styles zusagteil, so wenig entsprach ihm der eigent- 
liche Grundgedanke desselben, das Strebesystem. Dies 
System, Welches die ganze Last der Wölbung auf einzelne 
Pfeilermassen vertheilt und die Zwischenräume durch leichte 
Wände verschliesst, setzt mächtige Werkstücke natür- 
lichen Steines voraus, die sich durch ihre Schwere und 
Elasticität im Gleichgewichte halten. Der Backsteinbau 
dagegen hat kleine Steine durch die__ Kraft des Mörtels zu 
verbinden, und eignet sich mithin für starke, glattedMauern, 
Welche allenfalls durch Verstärkung an besonders belasteten 
Stellen gesichert werden konnten, aber doch auch neben 
denselben zu ihrer Haltbarkeit einer grösseren Stärke be- 
durften. Die grosse Ausladung der Strebepfeiler war daher 
überflüssig, die Bedeutung der Strebebögen fiel fast ganz 
fort. Ueberdies war der ganze Schmuck, der sich aus 
jenem System entwickelte, die plastisch belebten, durch- 
broehenen Formen, die Fialen, Spitzgiebel, Strebebögen, 
die zierliche Ausbildung des freien Maasswerkes theils 
zwecklos, theils schwierig und nur unvollkommen herzu- 
stellen. Dennoch wusste man diese Hindernisse durch 
Kunst und Fleiss zu überwinden und mit Hülfe von Form- 
steinen gothische Bauten herzustellen, welche mit den in 
natürlichem Steine ausgefüluten wetteiferten. Allein das 
Widersirebende Material verursachte doch, dass man mei- 
stens noch lange die strengen und einfachen Formen des 
bisherigen Uebergangsstyles theilweise beibehielt und sie 
mit einzelnen gothischen Gliederungen mischte. Erst all- 
mälig und nach vielfachen Versuchen kam der gothische 
Styl auch hier zu allgemeiner und ausschliesslicher Geltung, 
musste sichldabei aber manchen Modificationen unterwerfen,
        

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