Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958598
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Gothischer 
Styl 
in 
Deutschland. 
deutende Höhe des Mittelschiffes, die einfachen und an- 
schaulichen Verhältnisse, die Reinheit und Gleichheit der 
Formen, den Mangel alles Ueberflüssigen macht das Innere 
einen sehr würdigen, wahrhaft kirchlichen Eindruck, dessen 
Ernst durch die dunkele Farbe des Steines noch erhöht 
wird. 
Auch 
hier 
finden 
wir 
also 
ein 
vollkommenes 
Ver- 
ständniss des gothischen Styles sowohl in seiner construc- 
tiven Bedeutung, als im Reize seines Sclnnuckes; aber zu- 
gleich eine sehr freie und selbstständige Auffassung, welche 
in einzelnen Fällen romanische Reminiscenzen nicht ver- 
sehmähet, und durch den vorherrschenden ernsten, gemäs- 
sigten und schlichten Sinn bei zweckmässiger Betonung 
der wesentlichen Verhältnisse sehr günstig Wirkt und dem 
fremden Style ein nationales, deutsches Gepräge giebt. 
In Schwaben i") fand der gothisehe Styl, ungeachtet 
des Beispiels, Welches der Freiburger Münster gab, keine 
sehr eifrige Aufnahme. Kurz vorher, im zweiten Viertel 
des Jahrhunderts, hatte sich hier ein Uebergangsstyl ge- 
bildet, Welcher zwar in der Anordnung und in den Haupt- 
gliedern ziemlich nüchterne Formen annahm, die gerade 
Decke, den rechtwinkeligen Chorschluss, einfache achteckige 
Pfeiler, den Spitzbogen in strenger Form und mit eckiger 
Leibung, dabei aber in der Ausschmückung des Aeusseren 
mit Arcaden und in der Ausstattung der Kapitale mit phan- 
tastischen Ornamenten und Thiergestalten malerische Effecte 
zu erreichen wusste, welche dem mehr poetisch als archi- 
tektonisch begabten Stamme zusagten und ihn fesselten. 
Beispiele desselben sind die Dionysiuskirche zu Ess- 
lingen, etwa 1233 vollendet, und die Kirche zu Lauf fen 
1'] Bis Heideloffs Kupferwerk weiter vorgerückt ist, giebt 
noch immer nur der Aufsatz des Dr. Merz im Tüb. Kunstblatt 1845, 
Nro. 84  87 zusammenhängende Nachrichten.
        

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