Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958551
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Gothischer 
Styl 
in 
Deutschland. 
vom Jahre 1278 sogleich '11] in Angriff genommen wurde. 
Der Chor ist augenscheinlich der älteste Theil und wahr- 
scheinlich nebst dem wenig ausladenden Kreuzschiffe noch 
in diesem Jahrhundert vollendet; er hat niedrige Seiten- 
schiffe, den Schluss mit drei Seiten des Achteckes, aber 
auch einen Umgang und Kapellen, das erste Beispiel einer 
solchen Anlage in diesen Gegenden. Indessen geben diese 
Kapellen keinen wirklichen Kapellenkranz, sondern werden 
nur durch die in das Innere gezogenen Strebepfeiler ge- 
bildet, und erscheinen äusserlich wiederum nur als dreisei- 
tiger Schluss des Umganges. Da der Boden hinter dem 
inneren Chore sich senkt und der ganze Umgang tiefer 
liegt, so mag dies die Veranlassung für diese ungewöhn- 
liche Anordnung gewesen sein. Die Pfeiler sind runden 
Kernes mit vier grösseren und vier kleineren Diensten, die 
kelchförmigen Kapitale mit freianliegendem Blattwerk, die 
der Chorkapellen jedoch noch nach romanischer Weise mit 
phantastischen Thiergestalten geschmückt. Auch die Basis 
hat hier noch Formen des Uebergangsstyles, indem sie 
aus einem Wulst und einer Rinne besteht. Die Pfosten 
der Fenster sind noch mit Basis und Kapitäl versehen; 
das Maasswerk ist überhaupt noch sehr primitiv, rund pro- 
filirt und ohne Nasenwerk. Die Strebepfeiler des Ch0rum- 
ganges sind mit schwerfälligen Fialen belastet und stützen 
den oberen Chor durch einfache Strebebögen, welche mit 
dem Dachgesimse durch rundgeformte Lisenen verbunden 
sind. Das Portal des Kreuzschilfes ist von gothischen 
Säulchen und birnförmig profilirtexi Gurten eingefasst, über 
demselben befindet sich aber noch ein Fries von gebro- 
 Beides ergiebt sich daraus, dass noch in demselben Jahre ein 
Ablassbrief erlassen wurde, welcher das coenobium als cum omnibus 
aedificiis et oßicinis suis incendio miserabiliter lacrimabiliter destructum 
bezeichnet. Nachrichten über diese Kirche und Beschreibung derselben 
bei Dr. Schiller, die mittelalterliche Architektur Braunschweigs, S. 119 Ü.
        

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