Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958515
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Gothischer 
Styl 
in 
Deutschland. 
in ihren hohen zwei- und viertheiligen Fenstern völlig 
ausgebildetes Maasswerk von reinster und edelster Art. 
Wir sehen daher an diesen Domen den gothischen Styl 
zwar nicht mit der genauen Nachbildung französischer 
Weise, wie am Rheine, aber doch mit näherem Anschluss 
an dieselbe, als in Hessen und Westphalen, und mit voll- 
stem Verständniss seines Princips angewendet. Nur darin 
bemerken wir einen wesentlichen Unterschied, dass statt 
des Kapellenkranzes (mit Ausnahme des frühen Versuchs 
in Magdeburg) stets die einfache polygone Chornische an- 
gewendet lmd das Kreuz einschiffig gehalten ist, dass also 
statt der breiten und massenhaften Grundverhältnisse der 
französischen Kirchen die Längenrichtung verwaltet; eine 
Aenderung, welche wohl zunächst aus Sparsamkeit und 
aus der Gewöhnung an sehlichtere Formen hervorging, 
zugleich aber doch auch wenigstens in der Erscheinung 
des Aeusseren dazu beitrug, das Moment schlanken, ver- 
ticalen Aufsteigens zu betonen. 
An den anderen Kathedralen und Stiftern des Sachsen- 
landes bestanden die älteren Kirchen noch in guter Erhal- 
tung, so dass an ihnen wenigstens keine grösseren Bauten 
in dieser Zeit unternommen Wurden. Doch zeigt der schöne 
Kreuzgang am Dome zu Erfurt, wie sich hier unmit- 
telbar an die Ausübung des reichen spätromanischen Styles 
eine freie und elegante Gothik anschloss. Einzelne der 
viertheiligen Lichtöifnungen haben nämlich noch ganz ro- 
manische Säulen, das Eckblatt der Basis und die üppig 
ausladenden Kelchkapitäle mit romanischen Ranken, doch 
ist das Bogenfeld schon durch offene Kreise durchbrochen. 
Andere und zwar an derselben Seite des Kreuzganges zei- 
gen dagegen reinen gothischen Styl, Säulchen mit schlan- 
ken, reizend ausgeführten Kapitälen, freie Blattkränze, 
wohl gebildetes, wenn auch noch primitives Maasswerk.
        

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