Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958501
Der 
Dom 
Meissen. 
571 
Theiles auf den bereits gelegten Fundamenten beschlossen. 
Schon die Enge der Seitenschiffe und des Pfeilerabstandes, 
beide genau von halber Mittelschilfbreite i), noch mehr 
aber die Gestalt des Pfeilerkernes, der nicht, wie es die- 
Sßm Systeme entspricht, rund oder polygon ist, sondern 
ein im Sinne der Breitenrichtung schmales Rechteck bildet, 
deuten darauf hin, dass man bei ihrer Anlegung nicht an 
eine Hallenküche dachte. Die Aufgabe, diese ungünstigen 
Grundformen zu einer solchen zu verwenden, hat daher 
auch manche Eigenthümlichkeiten hervorgebracht, welche 
diesen Bau von anderen Kirchen dieses Systems unter- 
scheiden, auf die ich aber erst in der nächsten Epoche 
näher eingehen werde. Der gegenwärtigen gehören ausser 
dem Chore zwei Kapellen an, die Johanniskapelle und die 
an den späteren Kreuzgang anstossende Magdalenenkapelle. 
Jene ist offenbar die ältere, achteckig, äusserlich durch ein 
einfaches Gesims in zwei Geschosse getheilt und daher 
mit zwei Reihen kleiner Fenster ausgestattet, deren Maass- 
Werk aus zwei Kleeblattbögen und einem einfachen Kreise 
besteht; im Inneren durch wohlgebildete Wandpfeiler und 
Gewölbrippen, durch eine am Fusse der WVand hinlaufende 
Arcatur mit inneren Kleeblattbögen verziert, mit schlanken, 
kelchförrnigen Kapitälen mit zwei Blattreihen, durchweg im 
reinen und noch strengen Style früher Gothik, entspricht 
sie völlig der Zeit um 1266. Ganz ähnlich ist im Inneren 
des Chores die Bildung der WVandpfeiler und der als Rück- 
lehnen der Chorstühle dienenden Arcaden. Die Magda- 
lenenkapelle endlich, die schon 1274 als bestehend erwähnt 
wird  hat bei übrigens sehr strenger, gothischer Form 
k) Zwar hat die Elisabethkirche in Marburg dasselbe Verhältniss, 
allem in späteren Hallenkirchen gab man fast immer den Seitenschitfen 
und dem Abstande grössere Breite. 
m") Puttrich a. a. O. S. 24, Taf. 4 und 5 a.
        

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