Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958485
Der 
Dom 
Zll 
Meissen. 
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Bedürfnisses der verschiedenen Gewölbgurten angewendet. 
Die Dimensionen sind minder bedeutend als an den Kathedra- 
len von Rheims und Amiens, die Verhältnisse aber ganz ähn- 
lich; die Gewölbhöhe (84 Fass) übersteigt zwar nicht wie 
dort das Dreifache der Mittelschiffbreite  sondern bleibt 
nicht unerheblich darunter, aber sie hat fast das Fünffache 
der Linie, welche hauptsächlich als Maassstab der Höhe 
dient, des Pfeilerabstandes von Kern zu Kern  und 
das Ganze erscheint um so leichter mid schlanker, weil 
der Raum zwischen den Scheidbögen und den mächtigen 
Oberlichtern sein gering ist. Die Details endlich zeigen 
durchweg ein feines Verständniss des Verticalprincips und 
zum Theil schon weitere Consequenzen, als in den meisten 
gleichzeitigen französischen Bauten. Die Frontsäulen der 
Pfeiler steigen ununterbrochen zum oberen Gewölbe hinauf, 
die Kapitäle sind niedrig lmd mit leichtem Blattwerk ver- 
ziert, die Basis steht auf rautenförmiger Plinthe, die Ge- 
wölbgurten sind durchweg schon mit tiefer Unterhöhlung 
birnförmig proiilirt. 
Endlich gehört auch noch der Dom zu Meissen, we- 
nigstens seiner Anlage nach und in einzelnen Theilen, die- 
ser Epoche an, obgleich er vorherrschend das Gepräge des 
vierzehnten Jahrhunderts trägt. Bischof Witigo I. begann 
Wahrscheinlich bald nach seiner Erhebung auf den bischöf- 
liehen Stuhl im Jahre 1266 den Neubau und betrieb ihn 
mit grossem Eifer und mit I-Iülfe zahlreicher Ablassbriefe. 
Einer derselben vom Jahre 1272 bezeichnet das neue Werk 
Schon als ein prachtvolles (fabricam opere novo tam sum- 
fuoso inchoatam), ein anderer von 1290 setzt sogar eine 
fheilweise Vollendung voraus, indem der Ablass nur ertheilt 
Wim, um die Kirche zu ehren und ihren Besuch zu stei- 
gern (ut congruis honoribus veneretur, et a cunctis {ide- 
libus jugiter frequentetur). Wahrscheinlich war, als der
        

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