Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958403
Sachsen. 
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Ungeachtet seiner Schönheit mid der glücklichen Ver- 
schmelzung des neuen Styles mit westphälischeil Eigen- 
lhümlichkeiteil scheint auch dieser Bau noch keinen schnellen 
Einfluss gehabt zu haben. Zwar wurde er späterhin maass- 
gebend und eine Reihe westphälischer Kirchen sind ihm 
nachgebildet. Allein die meisten derselben gehören dem 
folgenden Jahrhundert an, und nur etwa die Minoriten- 
kirche zu Soest k), welche in kleinerem Maassstabe die 
Verhältnisse des Grundplanes, der Gewölbhöhe, der Fen- 
Stßr wiederholt und dabei einfache, nur mit vier Diensten 
besetzte Rundpfeiler hat, dürfte noch in das dreizehnte fallen. 
Ganz 
anders 
verhielt 
OS 
sich 
Sachsen. 
Der 
Cha- 
rakter dieses Volksstammes lebhaft, scharfsinnig, gewissen- 
haft, mehr verständig, als im Gefühle lebend, gründlich und 
in der feineren Ausführung Lmübertreiflich, geschmackvoll, 
aber mehr kritisch als schöpferisch, fordert auch in der 
Kunst vor Allem die feste Basis eines Princips. Das Su- 
chen und Streben nach einem unbekannten Ziele ist nicht 
seine 
Sache. 
Den 
Gedanken 
der 
romanischen 
Basilika 
mit 
gerader Decke hatte er mit so viel Glück wie Beharrlich- 
keit ausgebildet, alle möglichen Consequenzen und Umge- 
staltungen desselben versucht, ihn aber nun auch völlig 
erschöpft. Ein eigener Uebergangsstyl hatte sich nicht 
gebildet, der rheinische nicht Wurzel gefasst. Hier War 
also in der That ein Bedürfniss, zu dessen Befriedigung 
der gothische Styl sehr gelegen kam. Zuerst war er auch 
hier, wie wir oben gesehen haben in Nienburg an der 
Saale, von Hessen aus eingedrungen; aber sei es, dass die 
Hallenform von der alten Gewohnheit der Basiliken zu sehr 
abwich, sei es, dass man lieber aus der Quelle als aus 
 Lübke a. a. o. Tßf. XXI. 
V- 36
        

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