Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958392
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Gothischer 
Styl 
in 
Deutschland. 
bogen, den sie unterhalb der Spitze des Fensters bilden 
und der die Ausfüllung des Zwischenraumues durch einige 
ziemlich müssige Figuren erfordert, contrastirt mit der son- 
stigen consequenten Durchführung des gebrochenen Bogens. 
Das zierliche Nasenwerk fehlt gänzlich, und man kann 
zugeben, dass die ganze Anordnung keinesweges, wie die 
des französischen Styles, eine bis ins Einzelne durchge- 
führte organischeEntwickelung darstellt. Allein bei alledem 
ist die Wirkung dieser prachtvollen, stets wechselnden 
Muster, namentlich auch dieser sonnenartig ausstrahlenden 
Körper in dem Lichtfelde der Fenster eine bezaubernde, 
rund wir fühlen, dass eine, auf Vergleichung beruhende 
Kritik hier nicht angebracht ist. Das ganze Gebäude 
ist wirklich eine in sich durchaus harmonische Con- 
ception, deren Abweichungen von den gothischen Werken 
anderer Gegend durch die Hallenform, die weite Pfeiler- 
Stellung, die qnadraten Hauptgewölbe bedingt sind. Die 
Kreisform innerhalb der Fenster steht in voller Analogie 
mit den Quadraten der Gewölbfelder, der hohe Schwung 
der Gewölbe nöthigt den breiten Grundverhältnissen den 
Ausdruck des Schlanken und Kühnen ab, ihre überhöhte 
Form giebt durch die Mannigfaltigkeit der sich durch- 
schneidenden Bogenlinien dem perspectivischen Durchblick 
einen eigenthümlichen Reiz und bringt ein bewegteres Le- 
ben in die an sich einfache und schwere Haltung des 
Ganzen. Ueber die Entstehungszeit dieses herrlichen Baues 
wissen wir, wie gesagt, nichts Näheres. Die Wahrschein- 
lichkeit, dass das Langhaus nicht lange nach der Vollen- 
dung des Kreuzschiffes in Angriff genommen, die man- 
nigfachen Beminiscenzen an den Uebergangsstyl und die 
Behandlung der gothischen Details rechtfertigen indessen 
die Annahme, dass es im dritten Viertel des Jahrhunderts 
begonnen sei.
        

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