Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958373
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Gothischer 
Styl 
in 
Deutschland. 
hier bedeutend mehr als drei Siebentel, fast die Hälfte. Al- 
lerdings ist dies zum Theil nur scheinbar, indem sämmtliche 
Bögen stark überhöht sind, so dass der untere Theil der dicht 
gedrängt aufsteigenden Rippen in der That nur eine senk- 
rechte Unterlage der erst weiter oben sich abneigenden 
Wölbung bildet. Allein dies ist für die Wirkung gleich- 
gültig, zumal jener Wirkliche Anfang der einzelnen von 
demselben Pfeiler getragenen Bögen nach Maassgabe ihrer 
grösseren oder geringeren Spannung tiefer oder höher liegt, 
und daher nicht sehr auffällt. Der Winkel, den der Bogen 
mit dem senkrechten Theile der Rippen bildet, erscheint 
dem Auge daher um als kühne und unberechenbare Schwin- 
gung der verschiedenen Bögen, lllld macht sich nur in den 
Seitenschiifen, wo die Ueberhöhung sehr viel grösser ist, 
um ungeachtet der sehr viel geringeren Breite den Ge- 
wölben eine annähernd gleiche Seheitelhöhe mit denen des 
Mittelschitfes, zu geben, stärker geltend. Alles dies erin- 
nert noch einigermaassen an den Uebergangsstyl, der in 
Westphalen, wie wir gesehen haben, oft wirkliche Kuppel- 
gewölbe, oft aber auch, z. B. im Chore der Nicolaikapelle 
zu Ober-Marsberg und in der Klosterkirche von Bai-sing- 
hausen ab), quadrate Kreuzgewölbe hatte, die bei der gros- 
sen Spannung ihrer halbkreisförmigen Diagonalen ein ähn- 
liches Verhältniss zur Gesammthöhe Wie hier erreichten. 
Auch ist die Praxis, die Bögen ilach lllaassgabe ihrer 
Spannung an verschiedenen Stellen der Höhe anheben zu 
lassen, dem [lebergangsstyle völlig geläufig, nur dass er 
dann dies Verfahren nicht wie hier verbarg, sondern mit 
naiver Olfenheit zur Schau trug, indem sich auch die Höhe 
der tragenden Säulen und die Lage der Kapitale nach dem 
Bogenanfang richtete, obgleich der Pfeiler, zu dem sie ge- 
hörten, dadurch eine etwas unregelmässigere Gestalt bekam. 
Lübke 
Taf. 
XII.
        

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