Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953159
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Historische 
Einleitung. 
VVerken an der leichten Behandlung und selbst an der 
Vernachlässigung der Details zeigt, entspricht nur allzusehr 
der kühnen dilettantischen VVeise der Ritterpoesie. 
In einem ähnlichen Verhältnisse steht die Architektur 
zur Scholastik. Es versteht sich , dass ein unmittelbarer 
Verkehr zwischen der Bauhütte und den Lehrsälen der 
Philosophen iücht bestand, dass Meister und Gesellen nicht 
Schurzfell und Meissel ablegtexi, um den Disputationen zu 
lauschen. Aber das Bestreben der Forschung und der 
Geist scholastischer Distinction und Bestimmtheit theilte 
sich allen Klassen so weit mit , als ihr Beruf dafür em- 
pfänglich Ivar, und von keinem galt dies in höherem Grade, 
als von dem der Architekten. Daher denn bei ihnen das 
Betonen des geometrischen Elements, die erwachende Nei- 
gung zu einem principiellen und theoretischen Verfahren, 
zu Unterscheidungen und Gegensätzen der Formen. 
Beide Richtungen, die phantastisch-ritterliche und die 
pedantisch-scholastische, traten indessen in dieser Epoche 
noch nicht einseitig und störend hervor; sie standen noch 
völlig unter der Herrschaft sowohl des religiösen Geistes 
als der Naturkraft des Volkes, und der durch beide be- 
dingten Einheit des Gefühls. Die Architekten waren eben 
schlichte, aus dem Handwerk hervorgegangene Meister, 
die sich im Dienste der Kirche fühlten und zunächst mit 
des Gervasius, dessen unten ausführlich erwähnt wird, ergiebt Jahr für 
Jahr das Fortschreiten des Baues. Bei dem Neubau des Klosters Beo 
in der Normandie verzögerte der Baumeister lngelramnus, der zugleich 
am Dome zu Rouen beschäftigt war, nach anderthalbjähriger rascher 
Arbeit den unternommenen Neubau; der Abt entliess ihn daher und 
nahm einen andern Meister an, welcher das ganze Werk innerhalb 
dreier Jahre vollendete (Chronieon Beccense, p. 214, im Glossary, 
V01. IlI ad annum 1'214). Der Bau der Sainte-Chapelle zu Paris, im 
Jahre 1243 beschlossen, war, ungeachtet des reichsten plastischen 
Sehmuckes, schon nach acht Jahren beendet. Einfachere, namentlich 
klüsterliche Bauten wurden gewiss noch schneller ausgeführt.
        

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