Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-958098
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Gothischer 
Styl 
in 
Deutschland. 
ganz anderer Weise als in Amiens oder an anderen gleich- 
zeitigen französischen Kathedralen. Bei diesen ist nämlich 
der gerade Theil des Chores, als Vorbereitung auf den 
Umgang und Kapellenkranz der Rundung, fünfschiffig, das 
Langhaus aber dessenungeachtet dreischiflig gehalten, und 
das Kreuzschiff eben deshalb nur um eine 'l'ravee über die 
Breite des fünfschiffigen Chores ausladend. Allerdings ist 
dadurch im gezeichneten Grundrisse die Kreuzgestalt nicht 
sehr anschaulich, allein dieser Mangel verschwindet bei der 
Wirklichen Ausführung vollkommen, da das Kreuzschiff 
durch seine Höhe sich von den Seitenschiffen ablöst und 
die grössere Breite des Chores sich augenscheinlich als die 
Vorbereitung des Umschwunges darstellt. Auch lagen die 
Kapellen des Langhauses, welche jetzt die westlichen Seiten 
der Kreuzarme verdecken, nicht im ursprünglichen Plane. 
Der Meister des Kölner Langhauses folgerte dagegen aus 
der fünfschifligen Anlage des Chores, dass auch das Lang- 
haus fünfschiffig sein und das Kreuzschiff nicht bloss mit 
einer, sondern mit zwei Arcaden ausladen müsse. Auch 
in Frankreich giebt es fünfschiflige Kathedralen; die von 
Paris, wo das Langhaus bei der Gründung des Kölner 
Domes schon vollendet, die von Bourges, wo es aber 
wahrscheinlich erst nach 1280, die von Troyes, wo es im 
Anfange des vierzehnten Jahrhunderts, und endlich die von 
Clermont-llkrrand in der Auvergne und von Orleans, wo 
es ohne Zweifel später als an unserem Dome begonnen 
wurde. Allein keine dieser Kirchen hat die bedeutsame 
Ausbildung der Kreuzform, welche den Kölner Dom aus- 
zeichnet. In Bourges fehlt das Kreuzschifl" ganz, in Paris 
unmittelbar in den unteren Theilen ausgeführt, so dass der Kölner 
Meister ihn wohl kennen konnte.  Wer die Uebereinstimmung dieser 
Chöre zuerst entdeckt hat," wissen wir nicht, jedenfalls war sie in 
Deutschland schon bekannt, als Felix de Verneilh sie in den Annales 
archäologiques VII, 57, 225, und VIII, 117 ausführlich nachwies.
        

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