Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957747
Westphalen. 
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später scheint die Jacobikirche zu Lippstadt entstanden 
zu sein. Sie hat ganz dieselbe Anlage; ein Langhaus von 
drei gleichhohen Schiffen mit je zwei Gewölbfeldern, Rund- 
pfeiler mit vier ganzen und vier auf Consolen ruhenden 
Halbsäulen, den Chor von der Breite des Mittelschiffes, 
aber mit zwei polygonen Seitennischen, in welche die Sei- 
tenschiffe auslaufen  Nur darin Weicht sie ab, dass der 
Chor hier nicht geradlinig, sondern mit drei Seiten des 
Achtecks geschlossen und mit gothisch gebildeten Wand- 
säulen versehen ist, und dass die Gewölbfelder des Mittel- 
schilfes Quadrate bilden. Die Kapitäle sind einfacher, aber 
doch zum Theil mit Eichenlaub und anderem gothischem 
Blattwerk geschmückt. 
Auf eine Einwirkung der Elisabethkirche deutet auch 
der nördliche Kreuzarm des Domes zu Paderborn, in- 
dem er als Polygon mit fünf Seiten des Zwölfecks her- 
austritt, was sich neben dem rechtwinkelig geschlossenen 
Chore des Domes selbst und in einem Lande, wo man 
diese Form des Chorschlnsses liebte, kaum anders als aus 
der Befolgung des in Marburg gegebenen Beispiels erklären 
lässt. Das Maasswerk der zweitheiligen Fenster ist ganz 
Wie dort, n1n' nach Westphälischer Weise in etwas roher 
Ausführung gebildet, und die fast hufeisenartige Schwin- 
gung der äusseren Bögen wohl schwerlich eine bewusste 
Abweiehmig von jenem Vorbilde, sondern eher durch un- 
genügende Bereclmnng der Raumverhältnisse entstanden. 
Nur darin findet sich ein wesentlicher Unterschied, dass 
hier im Inneren unter den Fenstern eine Arcatur von Klee- 
t) Auch in der Nieolaikapelle von Ober-Marsberg sind solche 
Nebenchöre, aber beide im Aeusseren rechtwinkelig und nur der eine 
im Inneren mit fünf Seiten des Achtecks geschlossen, während sie in 
der Jacobikirche beide polygonförmig und durch schräg gestellte Zwi- 
schenwände mit dem Chore verbunden sind. Diese ist also auch in 
dieser Beziehung eine verbesserte Copie der Nicolaikapelle.
        

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