Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957602
Die 
Liebfrauelnkirche 
in 
Trier. 
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dessen durch einen Sechspass belebte) Kreis nach Verhält- 
niss der Bögen etwas zu gross gehalten ist. Dagegen ist 
die Bildung des Kapitäls schon mehr dem Geiste des neuen 
Styles entsprechend, als in den Kathedralen von Rheims 
und Amiens, ein den ganzen Pfeiler mit Einschluss der 
Halbsäulen in stets gleicher Höhe umfassendes schmales 
Gesims, das mit zwei Reihen theils auf ihren Stielen ste- 
hender, theils frei angelegter Blätter geschmückt ist. Die 
Prolile der Gurten und Bögen sind sämmtlich schon leicht 
und tief unterhöhlt und zum Theil birnförmig, die Rippen- 
geivölbe mit grosser Kühnheit meisterlich ausgeführt. Das 
Aeussere ist durchweg an allen Winkeln der Nischen mit 
Strebepfeilern bewehrt, die mit einfacher Abdachung schlies- 
Sen; Strebcbögen sind nicht vorhanden, aber auch nicht 
nöthig, da halbkuppelförmige Gewölbe von allen Seiten 
nach der Mitte zu stützend anstreben. Die Pfeiler haben 
sämmtlich leichte Schaftringe, die aber nicht auf mittlerer 
Höhe stehen, sondern dem Kafsimse der unteren und oberen 
Fenster entsprechen. Auch haben die hohen Pfeiler sowohl 
unten bei dem Ansatze der Scheidbögen, als oben bei dem 
der Gewölbe ihre Kapitälgesimse, so dass vier Horizontal- 
linien durch das ganze Innere fortgeführt sind, was bei 
dem leichten Ueberblick über sämmtliche Pfeiler, den die 
Rundgestalt gewährt, sehr vortheilhaft wirkt. Sämmtliche 
Portale sind rundbogig. Das Hauptportal auf der West- 
Seite hat schon nach französischer Weise an den Seiten- 
Wänden grosse Statuen unter Baldachiilen, in den fünf Ar-. 
chivolten Statuetten. Die beiden anderen, das eine vom 
Dome, das andere vom Kreuzgange her in die Kirche füh- 
rend, schliessen sich dagegen noch an romanische Bildung 
an, indem ihre schrägen Gewändc mit schlanken, zum 
Theil mit Schaftringen versehenen Säulen, ihre Archivolten 
mit reichen Kränzen besetzt sind. Das letzterwähnte Portal 
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